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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über die erweiterte Kriegserklärung aus Russland.

Haider: Lieber Christoph, für die einen ist es eine Drohung, für den Kanzler ein Akt der Verzweiflung – und Wladimir Putin sagt, er bluffe nicht. Was sagst du zu der erweiterten Kriegserklärung aus Russland?

Schwennicke: Er pfeift aus dem letzten Loch. Die Mobilmachung kostet zu Hause einen hohen politischen Preis. Das macht die Lage allerdings nicht einfacher, sondern gefährlich. Mit dem Rücken zur Wand – du kennst seine Anekdote mit der Ratte.

Haider: Nein, die kenne ich nicht.

Schwennicke: Er hat einmal gesagt, dass ihn als Junge eine Ratte fasziniert hat, die er und ein paar Freunde gejagt hatten. In die Enge getrieben wurde sie aggressiv und setzte abrupt zum Angriff an.

Haider: Das ist keine schöne Geschichte angesichts der Waffen, die Russland hat. Aber glaubst du denn, dass er schon das Gefühl hat, in die Enge getrieben worden zu sein? Er tut ja immer so, als laufe alles nach Plan.

Schwennicke: Nein, so entrückt kann keiner sein. Die jungen Männer rennen der Mobilmachung davon, die UN gibt Selen­skyj Standing Ovations, und selbst die bisher „Neutralen“ wie China und die Türkei gehen auf Distanz, sagen: Denk nicht mal dran, taktische Atomwaffen einzusetzen oder Giftgas.

Haider: Also geht es Putin doch wie der Ratte in seiner Geschichte, und deshalb meint er es ernst, wenn er sagt, dass er nicht blufft. Oder ist das nur ein verzweifelter Versuch zu retten, was nicht zu retten ist? Wobei: Wenn alle 300.000 neuen Soldaten in Richtung Ukraine geschickt würden, wäre das eine gewaltige Streitmacht.

Schwennicke: Das ist seriös nicht eindeutig zu beantworten. Ich fürchte, er blufft nicht, ist zu allem fähig. Und, ja: 300.000 Soldaten sind viel. Mehr, als die Bundeswehr hat. Aber Rekruten sind noch keine erfahrenen Kämpfer. Sondern potenziell Kanonenfutter.

Haider: Wie kann dieser Krieg irgendwann einmal zu Ende gehen? Nur wenn der Druck in Russland richtig groß wird?

Schwennicke: Putins Macht muss implodieren.

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