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Die Stadt sollte stärker auf das Preisgefüge achten

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Björn Jensen ist Chefreporter im Sportressort.

Björn Jensen ist Chefreporter im Sportressort.

Foto: Marcelo Hernandez

Der Hamburger Sportsommer bot viel. Soll von ihm eine Sogwirkung ausgehen, muss er für alle erlebbar bleiben.

Hamburg. Auf die Frage nach der positiven Überraschung des Hamburger Sportsommers hat Christoph Holstein eine eindeutige Antwort. „Wir haben alle Veranstalter durch die Corona-Krise gebracht, keines unserer Highlights verloren, obwohl die Rahmenbedingungen für die Macher objektiv herausfordernd sind“, sagt der Staatsrat, der sich als rechte Hand von Sportsenator Andy Grote mit der Hamburger Sportlandschaft auskennt wie wohl kein zweiter städtischer Amtsträger.

Angesichts der anrollenden Energiekrise, deren Auswirkungen viele Experten als noch gravierender einschätzen als die Folgen der Pandemie, kann von Entwarnung sicherlich noch keine Rede sein. Festzuhalten bleibt aber, dass der mit dem Tennis-Daviscup am Rothenbaum am vergangenen Wochenende abgeschlossene Sportsommer den Menschen in der Stadt vieles geboten hat.

Große Einzelevents funktionieren weiterhin

Die großen Einzelevents wie Marathon, Triathlon und Cyclassics, die die Breitensporttreibenden einschließen, funktionieren weiterhin. Ihre Teilnahme- und Zuschauerzahlen bewegten sich auf Vor-Corona-Niveau. Traditionsveranstaltungen wie im Pferdesport das Spring- und Dressur- sowie das Galoppderby haben ein ebenso treues Publikum wie das Tennisturnier am Rothenbaum, das in diesem Jahr zudem ein in die Zeit passendes Comeback bot, weil erstmals seit 1978 Damen und Herren gemeinsam auf der Anlage an der Hallerstraße aufschlugen.

Einen interessanten Akzent setzte die Stadt zudem mit der „Active City Arena“ auf dem Heiligengeistfeld, in der im Frühsommer über drei Wochen Trendsportarten wie Beachvolleyball, Airbadminton und 3x3-Basketball ihre Bühne bekamen. Der niederländische Veranstalter Wilco Nijland hatte den Mut, trotz vieler krisenbedingter Hindernisse sein temporäres Stadion im Herzen der Stadt aufzubauen. Die politischen Entscheidungsträger unterstützen das Spektakel in einer Form, die den Pioniergeist ausstrahlte, den eine Stadt, die sich „Global Active City“ nennen darf, dringend braucht.

Hohe Ticketpreise lassen Interesse sinken

Zu loben ist auch Hamburgs finanzielles Engagement für seine sportlichen Leuchtturm-Veranstaltungen. Rund vier Millionen Euro wurden in den Wochen zwischen Anfang Juni und Mitte September investiert, damit das bunte Programm nicht an Farbe verliert. Dass die Stadt bei der Vergabe künftiger Mittel gerade von Topsportveranstaltungen mit hoher Sichtbarkeit noch eindringlicher fordert, gesellschaftlich wichtige Themen wie Jugendförderung, Inklusion oder Antidiskriminierung mitzudenken, ist richtig.

Dennoch wird künftig eine noch höhere finanzielle Unterstützung vonseiten der Stadt notwendig sein. Schon in diesem Jahr zeichnete sich deutlich ab, dass dort, wo – wie zum Beispiel beim Daviscup – hohe Ticketpreise verlangt werden, das Zuschauerinteresse einbricht, während günstiger oder gar kostenloser Spitzensportkonsum wie bei Triathlon, Cyclassics oder einigen Programmteilen in der „Active City Arena“ boomt. Das ist wenig überraschend.

Wichtige Veranstaltungen subventionieren

Im Interesse der Gastgeberstadt sollte es jedoch liegen, dass Angebote, die bundes- oder gar weltweite Resonanz erzeugen, auch gut besucht sind. Nichts ist wichtiger, für die Aktiven und auch für die Sponsoren und Veranstalter, als brodelnde Atmosphäre in vollgepackten Arenen. Der Daviscup ist hierfür ein gutes Beispiel. An den anderen drei Zwischenrunden-Standorten wurden die Karten von den Gastgeberstädten stark subventioniert. In Hamburg, wo die Tickets von 65 Euro an aufwärts kosteten, blieben die Ränge erschreckend leer und sorgten für Verdruss bei allen Beteiligten.

Natürlich ist dies kein Aufruf dazu, Sportveranstaltern mit Steuergeld die Taschen zu füllen, sondern jene Veranstaltungen, die in den Augen der Verantwortlichen einen wichtigen Zweck erfüllen, als wirtschaftlich darstellbar zu erhalten. Die spannendsten Wettkämpfe – und die Partien der deutschen Tennisherren waren spannend – nutzen nichts, wenn sie niemand sieht.

Liveerlebnisse ebenen Weg in den Sport

Vorbildfunktion und Sogwirkung dahingehend, dass sich viele Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche für den Weg in den Sport entscheiden, kann aber nur durch das Liveerlebnis entstehen. Deshalb ist ein niedrigschwelliges Preisgefüge etwas, das die Stadt gerade im Hinblick auf die wirtschaftlich schwierigen Zeiten forcieren -- oder sich von zu teuren Anbietern trennen muss.

Dass weniger oft mehr ist, werden wir alle lernen müssen.

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