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Die Punks verlassen Sylt als Verlierer

Alexander Laux ist Sportchef des Hamburger Abendblatts.

Alexander Laux ist Sportchef des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Mit dem 9-Euro-Ticket enterten die Punks die Insel. Wenn sie eine Botschaft hatten, konnten sie diese nicht rüberbringen.

Es war das Aufregerthema auf Sylt: Mit der Einführung des 9-Euro-Tickets enterten Punks die beliebteste Insel der Deutschen. Anfang Juli bauten sie ihre Zelte im dem Park vor dem Rathaus auf und meldeten eine Versammlung bis Ende August unter dem Motto „für bezahlbaren Lebensraum und gegen Gentrifizierung und steigende Mieten“ an.

Hier die oft schrill auftretenden Punks, dort der hellblaue Porsche vor dem gegenüberliegenden Standesamt – dieser Kon­trast erreichte wenig überraschend deutschlandweit eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Sogar Gregor Gysi und Wolfgang Schäuble diskutierten mit den Bewohnern des Protestcamps.

Unter den Einheimischen kippte jedoch schnell die Stimmung. Heftige Diskussionen setzten ein: Wie tolerant müssen wir sein, und wo hört Toleranz auf? Wird hier das Demonstrations- und Versammlungsrecht missbraucht? Während einigen Punks sicher nicht abzusprechen war, dass sie politische Arbeit leisten wollten, kamen in den vergangenen Wochen viele auch nur nach Sylt, um Party zu machen – und um zu provozieren.

Punks auf Sylt: Am Ende ging es nur noch um Randerscheinungen

Statt um Themen wie Auswüchse des Kapitalismus ging es am Ende nur noch um negative Randerscheinungen des Protestcamps wie der teilweise massiven Lärmbelästigung oder dem Urinieren vor Läden. Sylter fühlten sich in ihren Sorgen nicht ernst genommen von der Politik und der Polizei. Sie hatten Angst, ihre Kinder alleine zur Schule gehen zu lassen.

Am Mittwochvormittag, als das Camp mit Verzögerung aufgelöst wurde, verließen die Punks das Gelände deshalb als Verlierer. Wenn sie eine Botschaft hatten, konnten sie diese nicht rüberbringen.

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