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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über den Tod der Queen.

Hamburg/Berlin. Haider: Lieber Christoph, ganz gleich, was auf der Welt alles passiert ist in den vergangenen Jahrzehnten, die Queen war immer da, und das hatte etwas Tröstliches, Optimistisches, Unsterbliches. Sie war wichtig für Europa und die Welt.

Schwennicke: Eine Institution. Eine am meisten überragende Persönlichkeit der Weltgeschichte. Mit großem Pflichtgefühl und Herz und feinem Witz.

Haider: Und wahrscheinlich einzigartig in der Geschichte der Menschheit, allein schon, weil sie so lange Königin war und bis zu ihrem letzten Lebenstag die Rolle so ausgefüllt hat, wie du es beschrieben hast. Die Trauer weltweit ist groß, weil es Menschen mit diesem Format und Wertegerüst eben nicht so oft gibt. Der neue König steht vor einer schweren Aufgabe in einem Land, in dem seine Mutter zuletzt wie die einzige Konstante schien.

Schwennicke: Charles wird das gut machen. Aber vermutlich eine Übergangsfigur sein. Er hat nicht diese Ausstrahlung. Bis William und Kate kommen. Die werden die royalen Sehnsüchte dann wieder stillen.

Haider: Aber es wird anders, die Reputation der Queen wird fehlen, auch, weil gerade William und Kate für eine Zeit stehen, in der Königshäuser eben nicht mehr so ernst genommen werden, wie es die Queen wurde. Und was macht dich bei Charles so zuversichtlich?

Schwennicke: Er hat lange üben und zusehen dürfen. Er ist zwar spröde und etwas verschroben. Hat aber auch das nötige Pflichtgefühl. Das William auch hat und Harry gar nicht.

Haider: Irgendwie passt es, dass die Queen ausgerechnet jetzt nicht mehr da ist. Die Zeitenwende weitet sich aus, alles wird anders, Sicherheiten brechen überall weg. Aber vielleicht ist das alle 100 Jahre auch automatisch so.

Schwennicke: Ich glaube, das ist permanent so, dass sich die Dinge ändern. Aber solche Zäsuren machen es uns bewusst. Sonst merken wir es nicht so. Wie der Frosch im Wasser, das sich langsam erhitzt.

( HA )

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