Meinung
Dohnanyi am Freitag

Verhüten wir den Dritten Weltkrieg!

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Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago/HA

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über China und die USA.

Matthias Iken: Die Chinesen provozieren mit ihrem Großmanöver einen Krieg um Taiwan. Fürchten Sie einen Krieg?

Klaus von Dohnanyi: Ich teile diese Meinung nicht. Auch die Mehrheit der China-Experten der USA ist wohl eher überzeugt, dass die chinesische Regierung hier das Prinzip der „Ein-China-Politik“ unterstreicht: Taiwan ist zwar selbstständig und kann sich auch selbstständig weiterentwickeln, „gehört“ aber zu China. Dieser Grundsatz wurde viele Jahrzehnte auch vom Westen anerkannt. China zeigte bisher typisch chinesische Geduld: 1973 sagte der bedeutende Reformer Deng Xiaoping zu mir, diese Insel sei schon mal lange Zeit politisch vom Festland getrennt gewesen, sie kam wieder. Das werde auch diesmal so sein. Einen Krieg fürchte ich nur, wenn die USA die „Ein-China-Politik“ infrage stellen.

Iken: Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taipeh hat die Lage angeheizt ...

Dohnanyi: Deswegen hatten US-Präsident Biden und das Pentagon auch erhebliche Bedenken. Aber Frau Pelosi steht als Mitglied des Repräsentantenhauses im November zur Wiederwahl und will mit ihren 82 Jahren dort Sprecherin bleiben. War also harte Kante gegen China nützlich? Amerikanische Innenpolitik erstickt immer wieder außenpolitische Vernunft. Wie vor dem Ukraine-Krieg, als Präsident Biden mit Rücksicht auf die Novemberwahlen das Verhandlungsersuchen von Putin wahltaktisch in den Wind schlug. Wer deutsche Außenpolitik machen will, muss amerikanische Innenpolitik gut verstehen.

Iken: Welche Ziele verfolgen die USA unter Joe Biden mit ihrer China-Politik?

Dohnanyi: Präsident Biden setzt die China-Politik von Donald Trump fort, Trump wiederum die seines Vorgängers Barack Obama in gröberem Stil: Den USA geht es um die machtpolitische Einhegung Chinas und die Bewahrung ihrer eigenen Position als „einzige Weltmacht“; das ist überparteilicher Konsens. Kann das gelingen? Vielleicht, wenn die USA ihre wirtschaftliche Überlegenheit, wenn der Westen seine attraktiveren Lebensformen, wenn wir Freiheit und Vielfalt als kreative Kräfte im bedrohlichen Klimawandel erfolgreich ausspielen. Und: Wenn wir China und Russland kooperativ einbinden können. Militärische Konfrontationen aber riskieren eher einen Dritten – und für Europa vermutlich letzten Weltkrieg.

( HA )

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