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Der ewige Polterer

Michael Backfisch, Politik-Korrespondent

Michael Backfisch, Politik-Korrespondent

Foto: Reto Klar

Auch nach seiner Amtszeit hat Donald Trump nicht nach den Regeln gespielt – das zeigt die FBI-Durchsuchung. Seine Reaktion ist typisch.

Hamburg. Es sind Bilder, die eher an eine Razzia bei einem Mafia-Paten erinnern. FBI-Beamte stürmen ein Luxusdomizil am Meer, brechen einen Safe auf, nehmen mehrere Kisten mit Dokumenten mit. Doch es handelt sich nicht um einen Hollywood-Thriller. Das Geschehen spielt sich im palmenumsäumten Fünf-Sterne-Anwesen von Ex-Präsident Donald Trump in Südflorida ab.

Nach allem, was aus FBI-Kreisen durchgesickert ist, lässt sich sagen: Trump hat sich auch nach seiner Amtszeit über Regeln und Vorschriften hinweggesetzt. Der ehemalige Präsident wird verdächtigt, als vertraulich oder geheim eingestufte Papiere aus den Jahren 2017 bis 2021 mit nach Hause genommen zu haben.

Trump musste 15 Kartons aushändigen

Laut Gesetz sind Präsidenten und ihre engsten Mitarbeiter dazu verpflichtet, sämtliche Unterlagen aus ihrer aktiven Zeit an das Nationalarchiv in Washington zu übergeben. Bereits im Frühjahr musste Trump 15 Kartons mit Dokumenten an die Archivare aushändigen. Offenbar war das aber nicht alles, wie die FBI-Durchsuchung jetzt nahelegt.

Die Aktion ist auch deshalb bedeutsam, weil Trump wohl viel enger in die Stürmung des Kapitols durch rechtsextreme Gruppen am 6. Januar 2021 verstrickt ist als bisher bekannt.

Trumps Reaktion stilisiert sich als Opfer

Trumps Reaktion ist typisch: Statt für maximale Transparenz zu sorgen, stilisiert er sich als Opfer einer „kommunistischen Verschwörung“. Und strickt weiter an der Legende von der „gestohlenen“ Präsidentschaftswahl 2020. Trump bleibt sich treu – er lebt in seiner Parallelwelt, poltert und spaltet. Man kann nur hoffen, dass sich der 76-Jährige in seinen Ambitionen, 2024 möglicherweise erneut anzutreten, selbst demontiert. Und dass sich die Amerikaner mit Grausen abwenden.

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