Meinung
Dohnanyi am Freitag

Klimawandel: Zurück zur Verständigung

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Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago/HA

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über den Klimawandel und Klimaschutz.

Hamburg. Iken: Voriges Jahr die Flut, nun die Brände im Osten: Haben wir uns auf diese Herausforderungen ausreichend vorbereitet?

Dohnanyi: Wir erleben die Gleichzeitigkeit wachsender Gefahren für die Menschheit: der Klimawandel, die Pandemien mit globalen Ansteckungsgefahren, siehe Affenpocken. Dürren, Brände in der Nähe von Dörfern und Städten, das Trockenfallen von Flüssen, eine Gefahr auch für die Kühlung von Kraftwerken und den Schiffstransport von Massengütern. Überschwemmungen wie im Ahrtal mit Toten und hohen Folgekosten. Warnsignale gab es genug, Konsequenzen nur unzureichend. Wir reparieren Schäden, tun aber wenig für vorsorglichen Schutz. Nun kommen noch Putins Krieg und Folgen weltweiter Aufrüstung hinzu.

Iken: Der Klimaschutz spielt seit Putins Überfall keine große Rolle mehr ...

Dohnanyi: Das ist leider wahr und stellt die Frage nach den politischen Prioritäten. Ich halte den Klimawandel und seine Folgen nach wie vor für die größte Gefahr: von den Bränden, den gleichzeitigen Wasserkrisen zu den Ernährungskrisen und unkontrollierbarer Massenmigration. Dagegen halte ich Deutschland, trotz Russlands Überfall auf die Ukraine, bei einer vernünftigen Außenpolitik militärisch nicht für bedroht: Putin will nicht Europa erobern, so wenig wie die USA mit ihrem Ziel, „einzige Weltmacht“ zu sein, die Welt erobern wollen. Putins Problem ist nicht Polen, sondern „nur“ eine Ukraine in der Nato. Mit gutem Willen könnte man hier vielleicht doch noch verhandeln.

Iken: Wie lassen sich Klimaschutz und Sicherheit vereinen?

Dohnanyi: Ich bin überzeugt, dass Helmut Schmidts schon 1961 formulierter Grundsatz „Wir haben kein Interesse daran, als zerstörtes Land erneut befreit zu werden“ weiterhin gilt. Erstes Ziel einer wehrhaften Demokratie sollte es sein, Kriege zu vermeiden, und nicht, sie zu gewinnen! Deswegen hängt Deutschlands Sicherheit nicht nur von unserer Verteidigungsfähigkeit ab – für die tun wir wieder das Notwendige –, sondern auch von unserer Arbeit am Frieden. Dazu trägt allerdings eine aggressive Nato-Strategie nicht bei, wie sie kürzlich mit Zustimmung der Bundesregierung im „Strategiekonzept 2022“ beschlossen wurde. Die Welt braucht nämlich für den Klimaschutz die Zusammenarbeit auch der Großmächte. Wir müssen zurück zu Verständigung und Klimaschutz.

( HA )

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