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Terrornest Afghanistan: Die Gefahr bleibt

Michael Backfisch, Politik-Korrespondent

Michael Backfisch, Politik-Korrespondent

Foto: Reto Klar

Biden kann einen Erfolg verbuchen, der leider nicht lange anhalten wird: Trotz Tötung des Al-Kaida-Chefs ist die Gefahr nicht gebannt.

Hamburg. Als die Taliban vor knapp einem Jahr die Macht in Afghanistan übernahmen, war die Bestürzung im Westen groß. Es gab aber zumindest kurzzeitig auch einen Schimmer Hoffnung. Die neuen Herren in Kabul bräuchten Geld und Hilfe, um das durch Korruption heruntergewirtschaftete Land wieder aufzupäppeln, glaubten einige. Und es schien so, als bemühten sich die bärtigen Männer um Unterstützung aus dem Westen. Verbunden mit der vagen Zusage, dass auch Mädchen wieder Schulen besuchen könnten.

Diese Erwartungen haben sich als Illusion erwiesen. Die Taliban haben sich zurückbegeben ins finstere Mittelalter: patriarchalische Strukturen, das Diktat des Korans, Unterdrückung. Im Schattenreich der islamischen Herrschaft haben sich offensichtlich auch Terrornetzwerke wieder ausgebreitet. Dass es sich der Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri mitten in Kabul monatelang bequem machen konnte, ist kein gutes Zeichen.

Nachfolger von Osama bin Laden getötet

Die US-Geheimdienste haben den Nachfolger von Osama bin Laden zwar getötet. Aber Afghanistan bleibt ein Nährboden für Terroristen. Die Taliban haben ihr Versprechen gebrochen, alle Verbindungen zu Al Kaida zu kappen. Auch wenn Al Kaida und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) heute weltweit eher dezentral operieren: Die Gefahr ist nicht weg.

Der politisch angeschlagene US-Präsident Joe Biden kann mit der Ausschaltung al-Sawahiris einen Erfolg verbuchen. Lange wird dieser aber nicht anhalten. Das mussten schon seine Vorgänger Donald Trump und Barack Obama erfahren. Denen hat die Tötung von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi beziehungsweise Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden nur ein politisches Zwischenhoch beschert.

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