Meinung
Gastbeitrag

Mit neuem Unternehmertum in die Zukunft!

| Lesedauer: 4 Minuten
Uve Samuels
Uve Samuels ist CEO des Exponential Innovation Institute in Hamburg.

Uve Samuels ist CEO des Exponential Innovation Institute in Hamburg.

Foto: Uve Samuels

In einer unstetigen Welt mit vielen Unsicherheiten und großer Komplexität braucht es laut Uve Samuels ein neues Unternehmertum.

Hamburg. Vor 25 Jahren hielt unser damaliger Bundespräsident Roman Herzog seine berühmte Ruckrede: Im Zentrum standen Innovation, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Als er von einer Asienreise zurückkehrte, wollte er damit vor dem Hintergrund einer aufstrebenden Nation bei uns eine neue Lust auf Zukunft wecken. Quasi ohne Erfolg.

Vor 22 Jahren schrieb ich selbst die Titelstory der „Hamburger Wirtschaft“, der Zeitschrift der Handelskammer Hamburg, „IT ein zweites Tor zur Welt“. Mein Ziel war es, in Hamburg Bewegung auszulösen. Rückblickend war auch das wenig erfolgreich.

Mit dem Vergleich möchte ich mich in keiner Weise mit Roman Herzog auf eine Stufe stellen. Es soll nur sagen, dass es schon sehr früh viele Hinweise gab – und es waren wahrlich nicht die einzigen –, dass wir eine neue Einstellung zur Zukunft brauchen.

Mit neuem Unternehmertum in die Zukunft

Die Produkte des Industriezeitalters sind in die Jahre gekommen. Die Produkte des Digitalzeitalters haben die Märkte übernommen. Und wir laufen der Entwicklung in zentralen Bereichen Lichtjahre den USA und China hinterher.

Mit der Digitalisierung haben sich die Spielregeln für Innovation verändert. Es ist die vierte industrielle Revolution. Für die Entwicklung der Produkte im Digitalzeitalter sind Kreativität (etwas ausdenken, was es noch nie gab), Kollaboration (mit anderen Branchen und Technologieexperten zusammenarbeiten) und Mut (einfach mal machen) das entscheidende Mindset, wie ich in meinen vielen Silicon-Valley-Aufenthalten erfahren konnte. Mit unserer Bildung bereiten wir die Jugend und die Unternehmen nicht hinreichend vor.

Nationen, die nicht selbst handeln, werden Schwierigkeiten bekommen

Die Zeitrechnung, in der wir heute leben, wird als VUCA-Welt bezeichnet. Volatility (Unstetigkeit), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit). Wir werden von immer neuen Ereignissen überrollt. Die Politik versucht mit Durchhalteparolen (es werden drei schwere Jahre) und Beruhigungspaketen und Hilfspaketen die Auswirkungen dieser Zeit erträglich zu gestalten. Damit verkennt sie, dass sich das globale Gesamtsystem verändert hat.

Die Gesellschaften, die in dieser Zeit das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen, sind selbstbestimmt und werden erfolgreich sein. Nationen, die nicht selbst handeln, werden große Schwierigkeiten bekommen. Es geht um die Veränderung von erhaltender Innovation zu disruptiver Innovation. Wer nicht handelt, wird behandelt.

Abhängigkeit in der Digitalisierung noch mal größer

Das erleben wir gerade auf großer politischer Bühne. Es ist keine vorübergehende Phase, sondern die neue Zeitrechnung. Von dieser Tatsache aus, müssen alle Entscheidungen abgeleitet werden.

Wir haben riesige Funklöcher, wir können die Infrastruktur für 5G nicht selbst herstellen, wir haben zu wenige digital skalierbare Unternehmen. Wir sind tief abhängig von den Technologien und den Apps aus China und USA. Wie erleben, wie abhängig wir von Gas und Strom sind.

In der Digitalisierung ist die Abhängigkeit noch viel größer. Unsere Automobilindustrie und unsere Verwaltung sind auf die Digitalisierung nicht ausreichend vorbereitet Früher war unsere Wirtschaft weltweit so erfolgreich. Unternehmertum und Mut haben uns ausgezeichnet. Wir haben zum Beispiel den Außenhandel und die Schifffahrt vorangetrieben. Das ist ewig her und reicht in der Digitalisierung nicht mehr. Wir können auf diese Erfolge und Tradition aufsetzen. Wir müssen sie aber in die Regeln der digitalen Zeit transformieren.

Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist von Nöten

Diese neuen Regeln sind Kreativität, Disruptive Technologie, Kollaboration und Cross-Industrie-Innovation. Neues Unternehmertum für das Zeitalter der Digitalisierung mit Kreativität und Mut ist die zentrale Aufgabe, bereits in der Bildung.

Die Größe der Herausforderung und die Bedeutung für unser konkretes Leben braucht die Zusammenarbeit auf allen Ebenen: Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Nur mit mutigem und großem Handeln können wir global relevante Lösungen erzielen und Hamburg wieder an die Spitze bringen. Es fängt mit der Bereitschaft für einen Neuanfang im Unternehmertum an. Hier kann und sollte Hamburg ein Zeichen setzen, das die besten Talente und Gründer anzieht und eine neue Aufbruchstimmung in der Stadt auslöst!

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