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Streik: Hafenarbeiter sollten Lohnforderung nicht überziehen

Martin Kopp,
Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts.

Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts.

Foto: Reto Klar / HA

Hafenarbeiter legen Arbeit nieder. Verglichen mit der Pflege sollten die Gehaltswünsche im Hafen besser nicht den Bogen überspannen.

Hamburg. Die Hafenarbeiter in den großen deutschen Seehäfen wollen streiken. Am Donnerstag werden sie mit Beginn der Spätschicht ihre Arbeit für mehrere Stunden niederlegen. Die Ankündigung kommt nicht völlig überraschend. Man befindet sich in Tarifverhandlungen mit den deutschen Seehäfen. Da gehört es zum üblichen Säbelrasseln, den eigenen Forderungen im Vorfeld der nächsten Verhandlungsrunde noch einmal Nachdruck zu verleihen.

Bedeutsam ist aber die Forderung selbst, schließlich verlangen die Hafenarbeiter einen Nachschlag bei Löhnen und Gehältern von je nach Verdienst im Schnitt 12 bis 14 Prozent. Mag es nachvollziehbar sein, dass die Mitarbeiter der Hafenbetriebe derzeit aufgrund der gestörten Lieferketten und der übervollen Containerlager in besonderer Weise gefordert sind, so stellt sich doch die Frage, ob eine Lohnerhöhung in diesem Umfang gerechtfertigt ist.

Durchschnittlohn: knapp 60.000 Euro im Jahr

Zumal wir hier von einem Beschäftigtenkreis reden, der seit Jahrzehnten gut bis sehr gut verdient. Über einen Durchschnittslohn ohne Schichtzulagen von 58.800 Euro im Jahr würde sich mancher Akademiker freuen, noch mehr über 90.000 Euro, die zahlreiche Hafenarbeiter mit Wochenend- und Nachtschichten im Jahr erhalten.

Für Krankenpfleger Polizisten oder Feuerwehrleute ist die Lohnforderung gar ein Schlag ins Gesicht. Von 12 bis 14 Prozent mehr Gehalt können diese nur träumen. Und Wochenendarbeit ist auch für sie kein Fremdwort. Die Gewerkschaft Ver.di und ihre Vertrauensleute in den Terminalbetrieben sollten aufpassen, dass sie den Bogen nicht überspannen. Sie wecken Erwartungen, die am Ende schwer erfüllbar sind.

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