Meinung
Leitartikel

Schleswig-Holstein lockert – das ist verdient!

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Lars Haider
Lars Haider ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Lars Haider ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible

Die Besten im Norden: Schleswig-Holstein strengt sich am stärksten an und darf sich mit Lockerungen belohnen.

Hamburg. Wenn eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages die Corona-Pandemie ein Teil unserer Geschichte sein wird, wird man sich an ein Bundesland besonders erinnern, das sich im Kampf gegen das Virus hervorgetan hat. Schleswig-Holstein war mit seinen in der Regel gut nachzuvollziehenden und angemessenen Entscheidungen fast immer Primus inter Pares, von wenigen Ausnahmen (Ferienhäuser!) einmal abgesehen.

Das setzt sich jetzt fort, wenn Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nicht nur Lockerungen der Corona-Maßnahmen in seinem Land ankündigt, sondern, und das ist viel wichtiger, damit den Bürgerinnen und Bürgern den endgültigen Weg aus der Krise zeigt. Es werden die Schleswig-Holsteiner sein, die zu den Ersten gehören, die so etwas wie ein normales Leben zurückbekommen. Das haben sie ihrem eigenen Verhalten, das haben sie aber auch der Politik der Jamaika-Koalition zu verdanken, der die Erfolge so kurz vor der Landtagswahl im Mai gerade recht kommen.

Dass sich so viele Erwachsene wie in wenigen anderen Bundesländern gegen das Virus haben impfen und boostern lassen, liegt wahrscheinlich daran, dass man im Norden nicht lange mit Dingen zögert, die nun einmal gemacht werden müssen: Wat mutt, dat mutt. Dass bei den Zwölf- bis 17-Jährigen 72 Prozent geimpft sind, hängt vor allem mit der entschlossenen Impfkampagne an den Schulen in Schleswig-Holstein zusammen, die Bildungsministerin Karin Prien (CDU) weit vor den Ministerkolleginnen und -kollegen auf den Weg gebracht hat. Gesundheitsminister Heiner Garg von der FDP schließlich war es, der die älteren Menschen im Land zu Boosterimpfungen einlud, während anderswo noch über deren grundsätzlichen Sinn debattiert wurde.

Schleswig-Holstein bekam Omikron in den Griff

Schleswig-Holstein hat vieles richtig gemacht und auch nicht die Nerven verloren, als mit Beginn der Omikron-Welle die Infektionszahlen im Land bisher nicht gekannte Werte erreichten. Die rund um den Jahreswechsel gemachte Prognose, dass der Norden in dieser Phase der Pandemie der Erste sein werde, bei dem die neue Virusvariante sich ausbreite, hat sich ebenso bewahrheitet wie die Vorhersage, dass man Ende Januar den Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht haben werde.

Inzwischen liegt Schleswig-Holstein, was die Sieben-Tage-Inzidenz angeht, bereits wieder unter dem Bundesschnitt. Richtig deutlich über einen Wert von 1000 ist man sowieso nicht gekommen. Dass Daniel Günther wenige Tage, nachdem die Inzidenzen erstmals gesunken sind, daraus Konsequenzen zieht und Lockerungen verkündet, dürfte von den Schleswig-Holsteinern als Belohnung für ihr Verhalten gewertet werden und die Erkenntnis stärken, dass es sich lohnt, wenn man sich an das hält, was von den Politik- und Pandemieexperten aus Kiel vorgegeben wird.

Schleswig-Holstein hilft die Impfquote

Diese Erfahrung würde man auch einigen anderen Bundesländern wünschen, die die große Omikron-Welle noch vor sich, aber bei Weitem nicht solche Impfquoten wie in Schleswig-Holstein haben. Das Land hat nicht nur eine geografische Nähe zu Dänemark, es kann sich auch mit dessen Fortschritten in der Pandemie messen lassen. Deshalb dürfte Schleswig-Holstein eines der ersten Bundesländer, wenn nicht das erste Bundesland sein, in denen die Corona-Maßnahmen komplett aufgehoben werden können.

Wenn, ja wenn Deutschland sich nicht, wie so oft in dieser Pandemie, darauf verständigen sollte, dass man einheitliche Regelungen für die ganze Republik finden muss – was angesichts der Zahlen, auf die Schleswig-Holstein bereits jetzt verweisen kann, Unsinn wäre. Und psychologisch eine Katastrophe: Denn dann würde man die bestrafen, die sich beim Kampf gegen Corona am meisten angestrengt haben.

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