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E-Mails Zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über das Schweigen des Olaf Scholz.

Hamburg. Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, „Duckt sich Olaf Scholz weg?“, haben wir diese Woche im Hamburger Abendblatt gefragt und damit die Kritik daran gemeint, dass der Bundeskanzler in der Pandemiebekämpfung nicht sichtbar genug ist. Wie würdest du die Frage beantworten?

Schwennicke: „Jo, do kömma Jo sogn“, hat weiland Robert Lemke in solchen Fällen bei „Was bin ich?“ immer gesagt. Nicht nur bei Corona gähnt da übrigens ein Loch. Russland/Ukraine: Hallo, Kanzleramt, jemand da?

Haider: Hat Scholz doch noch Schwierigkeiten, sich mit der neuen Rolle als Kanzler zurechtzufinden? In Hamburg hat er sich damals die großen Themen gleich gegriffen und etwa die Krise beim Bau der Elbphilharmonie mehr oder weniger allein gelöst. Es ist ja auch sein Anspruch, in Krisen besonders stark zu sein.

Schwennicke: Ursachenforschung möchte ich da gar nicht betreiben. Das ist auch egal. Fakt ist: Er bleibt im Moment die Führung schuldig, die er versprochen hatte.

Haider: Immerhin gehen die Ministerpräsidentenkonferenzen nicht mehr bis tief in die Nacht. Hast du auch, wie Kevin Kühnert, den Eindruck, dass Hendrik Wüst, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, die Runden nutzt, um gegen Scholz zu stänkern und damit Werbung in eigener Sache zu machen?

Schwennicke: Der hat bald Wahlen und bisher das Amt nicht errungen, sondern geerbt. Klar sucht der Flanken. Aber Scholz bietet sie auch.

Haider: Was sollte er aus deiner Sicht anders machen? Mehr kommunizieren hilft ja nicht, wenn er dabei bleibt, kaum etwas zu sagen, selbst wenn er etwas sagt.

Schwennicke: Das hast du schön gesagt. Sich nicht inflationär zu äußern ist ja richtig. Aber wenn er was sagt, muss das klar sein und nicht so teigig-diffus. Und etwas öfter wäre noch weit weg von inflationär.

Haider: Das hast wiederum du schön gesagt. Warum sind unsere Kanzler nur so wortkarg?

Schwennicke: Bei Gerhard Schröder war das nicht so. Und bei Helmut Kohl war die Wortkargheit partiell oder selektiv. Der sprach nicht mit dem Spiegel.

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