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Wettbewerbsverzerrung: EU muss Reeder bremsen

Martin Kopp
Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: Reto Klar / HA

Privilegien für Schifffahrt gefährden fairen Wettbewerb. In den USA, in China und in Südkorea haben sich die Kartellbehörden gemeldet.

Hamburg. Der Schifffahrtskonzern Maersk und seine Reederei-Tochter Hamburg Süd machen den Spediteuren in der Hansestadt das Leben schwer. Sie treten direkt an Verlader und Lieferanten heran und übergehen dabei die Spediteure, die zum Teil jahrzehntelange Beziehungen mit ihren Kunden haben. Dass dieses Vorgehen in der Transportbranche für Aufregung sorgt, ist selbstverständlich.

Tatsächlich ist dieses Vorgehen aber nicht viel mehr als eine logische Folge der Marktmacht, welche die Linienreedereien gegenüber den anderen Teilnehmern der maritimen Logistik­kette – Seehafenbetriebe und Hinterlandtransporteure – einnehmen. Infolge der langen Schifffahrtskrise haben sich die Linienreedereien zu Konsortien zusammengeschlossen, von denen die drei größten inzwischen 80 Prozent der Transportkapazitäten für Container auf See stellen.

Sonder­regelung für Reedereien: Mal sehen, wann Brüssel aufwacht

Die Bildung dieser Konsortien war von den Behörden erlaubt worden, weil sie dazu dienten, die infolge der Krise finanziell ausgebluteten Linienreedereien am Leben zu erhalten. Aber die Krise ist überwunden. Die Reedereien verdienen wieder viel Geld und diktieren die Preise.

Kann man dagegen nichts machen? Doch man kann. In den USA, in China und in Südkorea haben sich inzwischen die Kartellbehörden gemeldet und nehmen das Gebaren der Schifffahrtskonzerne unter die Lupe. Die Wettbewerbsbehörden der EU-Kommission berufen sich hingegen auf die sogenannte Gruppenfreistellungsverordnung, mit der sie den Reedereien die Konsortienbildung erlaubt haben – wie gesagt: ursprünglich aus gutem Grund.

Doch diese Sonder­regelung mit zahlreichen Privilegien wie Steuervergünstigungen wird von Seehafenbetrieben und Speditionen als Wettbewerbsverzerrung gesehen. Mal sehen, wann Brüssel aufwacht. Es wäre an der Zeit.

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