Meinung
Glosse

Dann wird das Virus eben einfach kaltgemacht

Vanessa Seifert
Die Autorin ist Redakteurin im Lokalressort des Hamburger Abendblatts

Die Autorin ist Redakteurin im Lokalressort des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible

Stoßlüften bei Minusgraden: Gesucht wird „Das frierende Klassenzimmer“. Ist das womöglich eine Strategie an Schulen?

Kennen Sie die berüchtigten „drei K“? Klar: Kinder, Küche, Kirche. Das war vor Corona. Nach zwei Jahren Pandemie stehen sie für „kalt, kälter, Klassenraum“. Eltern sind längst darin geübt, morgens nicht nur die Stulle einzupacken, sondern auch das Schulkind. Und zwar so michelinmännchenmäßig, als stünde für die 1b gleich eine Expedition in die Arktis auf dem Stundenplan und nicht Sachkunde drinnen.

„Als meine Tochter mir im Dezember ein Bild des Thermometers neben ihrem Sitzplatz mit der Angabe -0,3 Grad zeigte, fand ich das doch sehr gewagt“, so ein Vater aus Nordrhein-Westfalen. Keine Firma dürfe ihre Angestellten unter so eiskalten Bedingungen arbeiten lassen. Aus Protest (ja, der kann auch mal sinn- und humorvoll sein!) gegen die Corona-Schulpolitik sucht die Landeselternkonferenz deshalb jetzt den kältesten Klassenraum in NRW. Es geht quasi um den Kästner-Klassiker in einer Corona-Edition, also „Das frierende Klassenzimmer“.

Devise an Hamburgs Schulen: "Wir erfrieren das Virus"

Noch bis Anfang März können Schülerinnen und Schüler auf Instagram und Twitter Temperaturanzeigen aus ihren Klassenräumen posten. Wer bei drei Fotos aus einer Woche die niedrigste Durchschnittstemperatur nachweist, gewinnt den Wettbewerb. Die Erstplatzierten bekommen einen Satz Fleecedecken, die Silber-Klasse freut sich über Taschenwärmer und die Klasse auf dem dritten Platz darf sich mit zehn Litern Punsch innerlich aufwärmen.

Für Landtag und Gerichte seien Luftfilter angeschafft worden, so die Eltern. „Nur in den Schulen lautet offensichtlich die Devise: Wir erfrieren das Virus.“ Aber vielleicht ist das eine eiskalte und effektive Strategie? Gibt es eine Harvard-Studie dazu? Bitte übernehmen Sie, Herr Professor Dr. Lauterbach!

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