Meinung
Sie haben Post

E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über die Impfpflicht.

Hamburg. Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, kommt die Impfpflicht denn nun, und wenn ja: wann und für wie viele? Für mich sieht das noch nach einer längeren Diskussion aus, die frühestens im März abgeschlossen ist …

Schwennicke: Das zieht sich, ja. Hatte nicht dein Bundeskanzler gesagt: Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie? Bei diesem Thema, von ihm selbst angestoßen und bis Februar versprochen, kann ich das nicht erkennen.

Haider: Jetzt ist er auch dein Bundeskanzler. Ich bin mir nicht sicher, ob man eine elementare Frage wie die Einführung einer Impfpflicht für alle (!) mit klaren Ansagen klären kann/sollte oder ob der Weg über eine Diskussion im Bundestag, die im besten Fall nicht parteipolitisch instrumentalisiert wird, nicht besser wäre. Eigentlich wünscht man sich als Bürger, dass die Abgeordneten Entscheidungen nicht nur treffen, weil die Parteispitze sie anordnet, sondern weil sie davon überzeugt sind.

Schwennicke: Wird jetzt ja auch so gemacht. Persönlich bin ich vom unbedingten Sinn des Impfens überzeugt, habe dennoch Reserven gegenüber einer allgemeinen Impfpflicht. Tendiere Richtung griechische Lösung.

Haider: Die wie aussieht?

Schwennicke: Impfpflicht ab 50 und bestimmte Berufsgruppen bzw. Einrichtungen, bis hin zu Physiotherapeuten und Busfahrern. Das scheint ja auch die Brücke zu sein, über die FDP-Lindner seinen Kubicki zurück zur liberalen Herde führt.

Haider: Ist das für die FDP ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass der Streit über eine Impfpflicht so offen ausgetragen wird wie zwischen Kubicki und Lindner?

Schwennicke: Das ist ein schlechtes Zeichen. Und problematisch für Lindner. Erstens weil er im Wahlkampf auch versprochen hat, dass keine Impfpflicht kommt. Und zweitens, weil Kubicki ihm offenbar den jahrelang gültigen Nichtangriffspakt aufgekündigt hat.

Haider: Wenn es um Glaubwürdigkeit geht, macht Kubicki den Punkt. Wenn es darum geht, dass sich die Dinge ändern können und man als Politiker in Regierungsverantwortung auch seine Strategie anpassen muss, geht der Punkt an Lindner.

Schwennicke: So ist es. Und bei Kubicki kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er zur losen Kanone werden kann, weil er leer ausging in der Ampel.

Haider: Da würde ich mir keine Sorgen machen. Er wollte kein Ministeramt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung