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Kommentar

Nord Stream 2 belastet den Gaspreis

Oliver Schade
Oliver Schade ist Ressortleiter Wirtschaft beim Hamburger Abendblatt.

Oliver Schade ist Ressortleiter Wirtschaft beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten

Die Preise für Gas steigen kontinuierlich an. Die Hängepartie bei der russischen Pipeline lässt sie weiter nach oben schnellen.

Selbst Experten, die seit Jahrzehnten den Energiemarkt beobachten, sprechen mit Blick auf die aktuelle Gaspreis-Entwicklung von einem historisch einmaligen Vorgang. Um mehrere Hundert Prozent haben die Preise in den vergangenen Monaten angezogen – und zwar flächendeckend.

Abseits der noch etwas niedrigeren Grundversorgungstarife muss eine Familie mit einem Verbrauch von 25.000 Kilowattstunden nun mindestens 4000 Euro im Jahr fürs Heizen bezahlen. Hinzukommen gestiegene Benzin-, Strom- und Wasserpreise. Nachdem bereits die Kaltmieten in Metropolen wie Hamburg für viele kaum noch zu bezahlen sind, werden nun die Energiekosten zu einer weiteren extremen Belastung.

600 Euro im Monat fürs Heizen: Wer kann sich das leisten?

Nicht nur die Bezieher von Wohngeld mit keinem oder geringem Einkommen sind betroffen. Auch die Mittelschicht ächzt unter den zusätzlichen Kosten. 600 Euro im Monat für Heizung, Warmwasser, Strom und Benzin – wer kann sich das problemlos leisten? Die davongaloppierenden Energiekosten sind kein Problem einer Minderheit, sie treffen die breite Mehrheit. Da reicht es nicht aus, dass Politiker über Finanz­hilfen für Hartz-IV-Empfänger nachdenken. Die im Nebulösen liegenden Gründe für die Gaspreis-Explosion müssen transparent gemacht werden. Denn nur mit einer falschen Einkaufspolitik der Lieferanten und einer hohen Gasnachfrage sind die extremen Steigerungen nicht zu begründen.

Die Nervosität an den Rohstoffbörsen wegen der Verzögerung der russischen Gaspipeline Nord Stream 2 spielt offensichtlich eine viel größere Rolle als von der Politik zugegeben. Der Streit um das Projekt muss schnell beendet werden. Und sollte die Regierung sich gegen Nord Stream 2 entscheiden, muss sie den Bundesbürgern endlich erklären, was sie gegen die hohen Gaspreise unternehmen will.


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