Meinung
Glosse

Wie Olaf eiskalt die Herzen der Massen erobert

Vanessa Seifert

Foto: picture alliance/dpa/Disney

Der Schneemann war nicht immer so richtig beliebt und hat einen fulminanten Imagewechsel vollzogen – fast so wie der Kanzler.

Er ist eiskalt. Und trotzdem heiß begehrt. Er steht eher regungslos in der Gegend rum und bewegt dennoch die Herzen der Massen. Das ist Olaf. Also natürlich nicht unser Bundeskanzler, sondern der drollige Schneemann aus dem Disney-Märchen „Die Eiskönigin“.

Grundsätzlich gilt: Ohne mindestens einen Mann mit Kugelbauch (schmilzt auch ohne Diät wie Eis im Sonnenschein ...) und Karottennase war es kein echter Winter. Der Schneemann bildet mit Christkind und Weihnachtsmann das „Schlagertrio“ der kalten Monate. Das war allerdings nicht immer so, denn über Hunderte von Jahren hat der Schneemann einen wahren Imagewechsel vollzogen. (Das ging beim Bundes-Olaf deutlich schneller: eben noch Scholzomat, jetzt schon Staatsmann).

Eine der ältesten überlieferten Schneemann-Abbildungen aus dem Jahr 1780 zeigt jedenfalls einen fies dreinblickenden Griesgram. Quasi „The Grinch“ aus Schneematsch. Diese übellaunigen Bilder zögen sich bis ins Ende des 19. Jahrhunderts hinein, sagt Franziska Honer vom Museum für Bildende Kunst im Landkreis Neu-Ulm, wo gerade eine Schneemann-Schau läuft. Erst nach der Hochindustrialisierung, als der Winter für die Menschen seinen Schrecken verloren habe, seien auch die Schneemänner immer freundlicher geworden. Und größer.

Wieder ein Nichts: Kein Vorbild für Olaf und die Minister

Im Winter 2020 hat es sogar ein Exemplar­ aus der Steiermark ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft: 38 Meter hoch in den österreichischen Himmel ragte diese „Frosty“-Version. Aber wie es halt immer so ist: Nach wenigen Tagen war auch „Riesi“ (so der eigentliche Name) wieder ein Nichts. Kein Vorbild für Olaf und die Minister der neuen Bundesregierung.

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