Meinung
Nachspiel

Die „stärkste Liga der Welt“ missachtet ihre Prinzipien

Maximilian Bronner ist Volontär in der Sportredaktion des Abendblatts.

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Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Trotz Corona-Ausbruchs müssen die Füchse Berlin gegen den HSV Hamburg antreten. Das widerspricht dem Leitgedanken der Handball-Bundesliga.

Am Donnerstagabend war die Wut bei Stefan Kretzschmar dem Sarkasmus gewichen. Ein mehr als 20 Jahre altes Video aus seiner aktiven Karriere kommentierte der Sportvorstand der Füchse Berlin auf Instagram mit der Frage „Comeback am Sonntag?“

Dass der 48-Jährige beim Heimspiel gegen den HSV Hamburg am Sonntag noch einmal das Trikot überstreift, ist unwahrscheinlich. Ähnlich unwahrscheinlich war aber auch, dass die Handball-Bundesliga (HBL) trotz sieben Corona-Fällen und drei Verletzten bei den Füchsen an der Austragung der Partie festhält. Sie tat es trotzdem – mit der Begründung, dass laut HBL-Statuten mindestens die Hälfte der Lizenzspieler ausfallen müsste, um eine Verlegung zu rechtfertigen.

Statuten sind dazu da, um sie auch anzuwenden – keine Frage. Gleichzeitig sollte es aber im ureigenen Interesse der HBL liegen, einen sportlich fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Auf diesen hatten sich die Füchse übrigens bereits mit dem HSVH in Form einer Verlegung geeinigt. Sogar einen Ersatztermin noch in diesem Jahr hatten beide Clubs gefunden.

Handball-Bundesliga führt Leistungsprinzip ad absurdum

Stattdessen müssen die Füchse nun sieben Spieler aus der eigenen A-Jugend und der zweiten Mannschaft sowie von Kooperationspartner 1. VfL Potsdam hochziehen. 18 und 19 Jahre alte Talente, die normalerweise in der Dritten Liga spielen, sollen in der Bundesliga helfen.

Mit diesem Statuieren eines Exempels nimmt die HBL als selbst ernannte „stärkste Liga der Welt“ nicht nur eine Berliner Niederlage in Kauf, sondern führt ihr Leistungsprinzip ad absurdum. Aber vielleicht findet Stefan Kretzschmar ja doch noch seinen Spielerpass ...

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