Meinung
Kommentar

Essen gehen wird zum Luxus

Oliver Schade
Oliver Schade ist Ressortleiter Wirtschaft beim Hamburger Abendblatt.

Oliver Schade ist Ressortleiter Wirtschaft beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten

Benzinpreise werden wieder fallen, Steaks bleiben teuer. Inflationsrate seit November weiter gestiegen. Was der Grund dafür ist.

Hamburg. Die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland ist besorgniserregend. Um sechs Prozent hat die Inflation im November angezogen. Vor allem die im Jahresvergleich extrem gestiegenen Energiekosten führen zu diesem hohen Wert. Aber nicht nur die Preise für Benzin, Diesel, Gas, Heizöl und Strom steigen und steigen. Auch beim Besuch des Lieblingsrestaurants oder bei der Buchung eines Hotels reibt man sich beim Blick auf die Rechnung vor Erstaunen die Augen. Unter der Rubrik Beherbung und Gaststätten vermerken die Statistiker im Oktober ein Preisplus von 3,7 Prozent – dies ist weit über den Werten der Vorjahre.

Nun gibt es durchaus plausible Gründe für den Preisanstieg in Kneipen, Restaurants und Hotels. So leiden auch diese Betriebe unter den hohen Energiekosten, der Einkauf vieler Lebensmittel ist deutlich teurer geworden – hinzu kommt ein kostspieliges Personalpro­blem.

Der Gastronomie fehlen Fachkräfte

Denn gute Fachkräfte sind rar. So müssen Gastronomen und Hoteliers potenziellen Beschäftigten aktuell deutlich höhere Löhne bieten als in der Vergangenheit, wollen sie diese für sich gewinnen. Wegen der Lockdowns haben viele Köche, Kellner und Hotelfachangestellte die Branche gewechselt, sich nach einer vermeintlich sichereren Beschäftigung in Zeiten der Pandemie umgeschaut. Sie wieder zurückzugewinnen ist schwierig und teuer zugleich.

Und was bedeutet diese Entwicklung für die Kunden? Besuche in Restaurants und Kneipen könnten dauerhaft zum Luxus werden. Denn im Gegensatz zum Energiesektor kennen die Preise in der Gastronomie nur eine Richtung – nach oben. Wird Rohöl billiger, fallen die Benzinpreise. Doch mit Preissenkungen in der Gastronomie sollte niemand rechen, selbst wenn der Wareneinkauf und die Energie wieder günstiger werden.

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