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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über den neuen Gesundheitsminister.

Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.


Haider
: Lieber Christoph, es ist schon geschickt, wie die CDU/CSU die neue Regierung unter Beschuss nimmt, obwohl die noch gar nicht im Amt ist. Wenn Söder und Co. jetzt fordern, dass Karl Lauterbach Gesundheitsminister wird, können sie damit nur gewinnen. Denn: Wenn er es wird, war es ihre Idee – und wenn nicht, können sie Olaf Scholz vorwerfen, nicht den genommen zu haben, der in Sachen Pandemie mit am kompetentesten ist.


Schwennicke
: Stimmt. Und weil du Olaf Scholz als sein Biograf (noch) besser kennst als ich, wirst du wissen: Never ever macht er Karlchen zum Gesundheitsminister. Denn (unbestreitbare) Kompetenz ist nur eine von mehreren Eignungen, die man mitbringen muss.


Haider: Ich glaube auch nicht, dass es Lauterbach wird, wobei ich mir vorstellen könnte, dass er etwa als Staatssekretär im Gesundheitsministerium eine herausgehobene Rolle bei der weiteren Bekämpfung der Pandemie spielen könnte. Was den Posten der Gesundheitsministerin angeht: Es gibt dieses Gerücht mit Andrea Nahles, das ich ganz interessant finde, weil Scholz und Nahles sehr gut miteinander können und er viel von ihr hält. Was sagst du dazu?


Schwennicke:
Fand ich superplausibel. Zumal Lauterbach Andrea Nahles wahrscheinlich als einzige Ministerin akzeptieren würde, wenn er Staatssekretär würde. Ich habe aber gehört, dass Scholz in der Tat bei Nahles angefragt hat, sie aber nach reiflichem Überlegen abgesagt habe. Daher mein Tipp: Peter Tschentscher.


Haider: Bei dem haben wiederum wir nachgefragt, und der will nicht, warum auch: Er hat einen der schönsten Posten, die es in diesem Land gibt. Insgesamt ist es auch nicht so bedeutend, wer Gesundheitsminister oder -ministerin wird, wie die CDU/CSU es jetzt suggeriert. Die Bekämpfung der Pandemie muss so oder so Chefsache sein, da führt kein Weg an Scholz vorbei. Und daran wird er sich gleich messen lassen müssen.


Schwennicke:
Ich finde es trotzdem etwas unglücklich, dass das mit den Ministern, gerade bei Gesundheit, so lange dauert. Wie insgesamt das Virus dieses Interregnum brutal ausgenutzt hat. Es wird Zeit, dass Deutschland aus einem klaren Machtzentrum heraus regiert wird.
Haider:
Absolut. Und angesichts der momentanen Lage kann man froh sein, dass die Koalitionsverhandlungen nicht so gelaufen sind wie bei Jamaika vor vier Jahren.

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