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Klima und Schifffahrt: Manchmal hilft nur Zwang

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Martin Kopp
Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts.

Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts.

Foto: Reto Klar / HA

Die neuen Klimaauflagen für die Schifffahrt bergen Chancen. Zur Rettung des Klimas reicht das aber noch nicht.

Hamburg. Es geschieht vieles nur durch Zwang: Als in Deutschland in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts der Katalysator (Kat) für Neuwagen eingeführt werden sollte, wehrte sich die Automobilin­dustrie mit Händen und Füßen dagegen. Jahrelang wurde gestritten. Also musste die Bundesregierung­ den Einbau von Katalysatoren­ in Neufahrzeugen von 1989 an zur Auflage machen. Der Nutzen des Kats wurde danach nie mehr infrage gestellt.

Ähnliches geschah in der Schifffahrt 30 Jahre später. Als sich deutlich abzeichnete, welch schädliche Auswirkungen die Abgase der großen Schiffe für die Lunge haben, wurde die Schifffahrt aufgefordert, den Schwefelanteil ihrer Treibstoffe zu senken. Die Reeder sperrten sich. Also wurden per Verordnung Emission Controlled Areas eingeführt. Das sind Seegebiete, in denen der Schwefelmasse-Anteil im Treibstoff stark reduziert sein muss. Und es funktioniert: Anstatt mit 3,5 Prozent Schwefelmasse-Anteil fahren die Schiffe in Nord- und Ostsee heute mit 0,1 pro­zentigem Schwefel.

Klima: Verpflichtungen setzen Reedereien unter Druck

Zur Rettung des Klimas reicht das aber noch nicht. Und wieder regiert der Zwang: Mit dem Abkommen von Paris hat sich Deutschland verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Auch die internationale Schifffahrtskammer fordert das. Diese Verpflichtung setzt die Reedereien unter Druck. Sie müssen in einem sehr überschaubaren Zeitraum Kraftstoffe und Antriebe entwickeln, die diesem Ziel entsprechen. Und sie müssen ihre gesamten Flotten umrüsten. Und die Zeit läuft ihnen davon.

Die Vorgaben eröffnen aber auch riesige Chancen – abgesehen davon, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre durch die Schifffahrt nicht weiter steigen wird: Dem angeschlagenen deutschen Schiffbau kann die Entwicklung klimaneutraler Antriebe neue Wettbewerbsvorteile geben. Und schließlich müssen auch noch Industrien aufgebaut werden, die diese Kraftstoffe herstellen. So eröffnet Zwang eben auch immer neue Perspektiven.

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