Meinung
Kommentar

Mitarbeiter von Blohm+Voss ohne Vertrauen

Martin Kopp
Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: Reto Klar / HA

Eigentümer Lürssen muss sein Bekenntnis zum Standort der Werft erneuern – und zwar rasch.

Ein „Blohmer“ sein. Das war eine Bezeichnung, die die Mitarbeiter von Blohm+Voss einmal sehr selbstbewusst vor sich her trugen. Doch von den glanzvollen Zeiten, als die bei der Hamburger Traditionswerft gebauten Schiffe die Weltmeere beherrschten, ist kaum mehr etwas übrig geblieben. Sicher haben auch äußere Umstände dazu beigetragen, dass die Werft heute um ihr Überleben kämpft. Vor allem aber interne Fehler und Versäumnisse haben dazu geführt, dass vom Stolz des Hamburger Schiffbaus kaum mehr etwas übrig geblieben ist.

Die Ankündigung der Eigentümer, der Bremer Lürssen Gruppe, weitere 133 Stellen streichen zu wollen, ist eine zusätzliche Enttäuschung. Als Lürssen Ende 2016 die Werft übernahm, wurde in Hamburg gejubelt. Auch der Abbau von 300 Stellen wurde relativ klaglos hingenommen. Er war gut begründet. Das Unternehmen war von den Vorbesitzern heruntergewirtschaftet worden. Lürssen wurde zugetraut, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Motto: Die verstehen was vom Schiffbau.

Wenn die Belegschaft der Werft jetzt davon spricht, ihr Vertrauen in die Geschäftsführung verloren zu haben, kann vom Selbstbewusstsein der Blohmer nicht mehr die Rede sein. Zumal sich die Eigentümer in Hamburg kaum noch blicken lassen und die unangenehme Verhandlungen der Geschäftsführung vor Ort überlassen. Lürssen muss sein Bekenntnis zum Standort erneuern – und zwar rasch.

Im Übrigen kann man von einem für die Branche rabenschwarzen Jahr sprechen. Es ist kaum ein halbes Jahr her, dass die andere bedeutsame Hamburger Werft, Pella Sietas, in die Pleite rauschte. Auch hier spielten Managementfehler eine Rolle. Die Hamburger Schiffbauindustrie ist nur noch ein Schatten der Vergangenheit.

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