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Kommentar

Moorburg – die Kammer handelt endlich wieder

Martin Kopp
Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: Reto Klar / HA

Die Handelskammer will den Stadtteil zu einem „Energie- und Klimahafen“ machen. Die neuen Pläne setzen den Senat unter Druck.

Hamburg. Die Hamburger Handelskammer will den Stadtteil Moorburg zu einem Zen­trum für Wasserstoffforschung, erneuerbare Energien und alternative Treibstoffe machen. Moorburg soll zu einem „Energie- und Klimahafen“ werden, sagt die Wirtschaftsvertretung, deren Pläne ein riesiges Areal im Hamburger Süden überspannen und bis zu 6400 neue Jobs vorsehen.

Starke wirtschaftspolitische Impulse von der Handelskammer hat man zuletzt vermisst. Unter der Führung der Rebellen hat sich die Institution aus politischen Diskussionen herausgehalten. Und nach dem Wechsel zum neuen Plenum unter Präses Norbert Aust hatte die Kammer zunächst einmal alle Hände voll damit zu tun, ihre Mitgliedsunternehmen durch die Corona-Krise zu lotsen.

Senat positionierte sich lange nicht zu Moorburg

Die Pläne für den Klimahafen Moorburg sind also bemerkenswert. Sie sind es umso mehr, als es der Kammer wieder gelingt, ein wirtschaftspolitisch drängendes, aber zugleich schwieriges Thema in der Hansestadt voranzutreiben. Seit 1982 gehört das Dorf Moorburg zum Hafenerweiterungsgebiet, und seine 700 Bewohner kämpfen um ihr Bleiberecht.

Der Senat hat annähernd 30 Jahre lang eine klare Positionierung zur Zukunft Moorburgs gescheut, ist einer Auseinandersetzung mit den Bewohnern aus dem Weg gegangen. Als die Kammer vor einem Jahr das Pro­blem aufwarf, verkündete das Rathaus lediglich, man werde in dieser Legislaturperiode nicht an das Thema rühren.

Handelskammer gibt jetzt den Takt vor

Die Kammer hat sich gerührt. Sie hat die Konfrontation gesucht und die Moorburger für ihre Pläne gewonnen. Sie zeigt auf, dass wirtschaftliche Interessen und Dorfleben in Einklang zu bringen sind. Mögen noch viele Fragen ungeklärt sein, so lässt sich eines feststellen: Bei diesem Thema gibt jetzt die Kammer den Takt vor.

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