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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über Scholz und das Boostern.

Hamburg. Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, so richtig möchte man mit den Ampel-Koalitionären nicht tauschen im Moment. Einerseits müssen sie einen vernünftigen Koalitionsvertrag zustande bringen, andererseits die vierte Welle stoppen, alles so schnell wie möglich. Ein schöner Start ins Regieren sieht anders aus …

Schwennicke: Das ist doch eine gute Lehre zum Anfang. Irgendwas ist immer.

Haider: Ich bin gespannt, wie sich Scholz verhält, wenn er Kanzler ist: Normalerweise würde er in einer solchen Krise wie der Corona-Pandemie voll durchgreifen. Und wenn er die Chance dazu hat, dann ganz am Anfang seiner Amtszeit, oder?

Schwennicke: Ist nur so eine Sache mit dem voll Durchgreifen in dieser Sache. Lockdown? Eher nicht? Impfpflicht? Eher auch nicht, oder? Und dann ist ja schon Schluss mit durchgreifen.

Haider: Aber so wie jetzt geht es ja nicht weiter. Das kann man sich als neuer Kanzler nicht einfach so ansehen. Wir sind an dem Punkt, an dem Politiker sagen müssen: Wir haben die Lage falsch eingeschätzt und deshalb können wir uns an bestimmte Versprechen nicht mehr halten. Nur: Die neue Regierung muss halt erstmal stehen, und das ist erst Anfang/Mitte Dezember.

Schwennicke: Man muss ja immer aufpassen, dass man es sich nicht zu einfach macht und einen Sündenbock benennt. Aber ich habe gerade und zum wiederholten Mal einen ganz schönen Hals auf diesen Professor von der Stiko. Wir hätten längst für alle boostern müssen, aber Herr Mertens wägt und wägt und wägt, um dann bei Markus Lanz verquast anzudeuten, dass anderntags das Go kommen wird. Das ist notorisch bei ihm. Der Mann ist ein großes Unglück in dieser Position und dieser Pandemie.

Haider: Sagen wir es mal so: Die Stiko ist keine ideale Organisation für eine Notlage, in der schnelles Handeln gefordert ist. Das mit dem Boostern hätten wir in aller Ruhe im Sommer angehen können, da hatten die meisten Impfzentren ja noch geöffnet. Immerhin finde ich die Idee, sich jetzt an den Hospitalisierungsraten zu orientieren, nicht schlecht.

Schwennicke: Vor allem bin ich sehr dafür, die Impfzentren wieder aufzumachen. Boostern und späte Einsichtige auf einmal, das erscheint mir zu viel für die Arztpraxen.

( HA )

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