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Kommentar

Warum erst in neun Jahren und nicht gleich?

Michael Backfisch

Foto: Reto Klar

Die Rettung der Wälder wird in die Zukunft vertagt. Doch jetzt bedarf es starker Signale und glaubwürdiger Aktionen.

Die Optimisten atmen auf. Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs haben sich beim Weltklimagipfel in Glasgow darauf verpflichtet, die Wälder bis 2030 zu retten. Aber genau darin liegt schon das Problem. Warum erst in rund neun Jahren? Warum nicht gleich? Die Waldgebiete sind die grünen Lungen unseres Planeten. Sie absorbieren das klimaschädliche Kohlendioxid. Zu viele Bäume wurden in den vergangenen Jahren gefällt – zugunsten von Holzindustrie, Bergbau-Firmen und Viehzüchtern.

Es mangelt an konkreten Maßnahmen im Hier und Jetzt

Woran die Klimakonferenz bislang krankt? Zu großspurig sind die Versprechungen für CO2-Neutralität, zu langfristig die Pläne. Es mangelt an konkreten Maßnahmen im Hier und Jetzt. Dass nun ausgerechnet der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro bei der Initiative zum Entwaldungsstopp mitmischen will, macht stutzig. Bislang hat der rechtsextreme Staatschef den Klimawandel geleugnet wie die Gefahren des Coronavirus. Während weltweit die Treibhausgase in der Pandemie 2020 gesunken sind, haben Bolsonaro & Co. die Umweltschäden im eigenen Land verschärft. Weite Teile des brasilianischen Regenwalds wurden abgeholzt.

Angesichts der Zunahme von Hitzewellen oder Flutkatastrophen reichen Worte nicht mehr aus. Es bedarf starker Signale und glaubwürdiger Aktionen. Das gilt auch für die Teilnehmer des Glasgower Gipfels. Eine britische Zeitung hat gezählt, dass rund 400 Flugzeuge in der schottischen Hauptstadt gelandet sind – darunter mindestens 52 Privatjets aus Europa, Afrika und Asien: Politprominenz, Hollywoodstars und Glamour-Unternehmer. So schwebte Amazon-Chef Jeff Bezos, der sich mit Milliardenspenden im Kampf gegen den Klimawandel brüstet, von einer Yacht-Party vor der türkischen Küste ein. Auch grüne Verbalkosmetik ist scheinheilig, wenn sie nicht mit Taten unterlegt wird.

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