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Strom- und Gaspreise: Skandal auf den Energiemärkten

Oliver Schade
Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort des Hamburger Abendblattes.

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort des Hamburger Abendblattes.

Foto: Andreas Laible

Anbieter stellen gültige Verträge infrage. Betroffene mit länger laufenden Altverträgen sollten nicht sofort klein beigeben.

Hamburg. Wer sich derzeit nach einem neuen Strom- oder Gasanbieter umschaut, dürfte seinen Augen kaum trauen. Preissteigerungen von 50 bis 100 Prozent pro Kilowattstunde sind auf den bekannten Vergleichsportalen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Doch damit nicht genug. Denn immer mehr Energieversorger machen gar kein Angebot mehr. Zu unsicher sei die Prognose für die künftige Entwicklung der Tarife, heißt es auf ihren Internetseiten lapidar. Neukunden unerwünscht!

Die Explosion der Energiepreise ist für viele Betroffene kurz vor Beginn eines womöglich frostigen Winters dramatisch. Und die Gründe sind mannigfach: Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Energie, die höheren staatlichen Abgaben, die verfehlte Einkaufspolitik der Energieversorger, die einseitige Abhängigkeit von russischem Gas. Doch was können die Kundinnen und Kunden nun tun? Wenig! Wenn ein Anbieterwechsel kaum mehr möglich ist und die Preise flächendeckend steigen, fehlen die Alternativen.

Verträge müssen eingehalten werden

Nicht wenige Bundesbürger haben für diesen Fall vorgesorgt, sich vor Monaten einen günstigen Anbieter mit längeren Vertragslaufzeiten gesucht. Sie dürfen sich nun über niedrige Preise bis ins nächste oder gar übernächste Jahr freuen, sollte man annehmen. Doch weit gefehlt! Weil viele Versorger diese „Billig“-Verträge loswerden wollen, schicken sie derzeit Kündigungsschreiben durch die Republik oder drohen mit horrenden Steigerungen der monatlichen Vorauszahlungen.

Ein Skandal! Die Verträge sind geschlossen und müssen eingehalten werden. Die Betroffenen mit länger laufenden Altverträgen sollten nicht sofort klein beigeben, sondern sich bei Verbraucherschützern über ihre Rechte informieren und diese einfordern. Nur so können zumindest sie einen extrem teuren Winter verhindern.

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