Meinung
Kommentar

Auch Gutes kann man übertreiben

| Lesedauer: 2 Minuten
Matthias Iken
Matthias Iken. Stellvertretender Chefredakteur Hamburger Abendblatt.

Matthias Iken. Stellvertretender Chefredakteur Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / Funke Foto Services

Förderung des Radverkehrs oder eine Kampfansage gegen das Auto? Für Matthias Iken sind Hauptverkehrsstraßen keine Velorouten

Radler sind in Hamburg leidgeprüft – in den vergangenen Jahrzehnten wurden sie vergessen, ja, mitunter geradezu aus dem Straßenverkehr gemobbt. Mal gab es keine gesonderten Radwege, dann waren sie handtuchschmal oder zugewuchert; Ampelschaltungen glichen einem Ärgernis, und bei allen Baumaßnahmen vergaßen die Planer Zweiräder kurzerhand.

Wer in Hamburg Fahrrad fahren wollte, musste sehen, wo er blieb.

In den vergangenen Jahren aber bewegt sich etwas in der Hansestadt – vor allem, seitdem die Grünen 2015 mit in den Senat eingezogen sind. Inzwischen hat sich Hamburg zum Ziel gesetzt, den Anteil des Radverkehrs am wegebezogenen „Modal Split“ in diesem Jahrzehnt auf 25 bis 30 Prozent zu steigern – das wäre fast eine Verdopplung. Ein ambitioniertes wie richtiges Ziel.

Mobilitätswende: Gut gemeint, aber oft übertrieben

Allerdings drohen Radbegeisterte an manchen Stellen das Kind mit dem Bade auszuschütten: Immer stärker werden auch Hauptverkehrsstraßen zu Radstrecken. Auf die Idee, eine Magistrale wie die Kieler Straße nordwestlich der Autobahn zugunsten des Radverkehrs zu verengen, muss man erst einmal kommen.

Niemand bei Verstand radelt freiwillig entlang dieser Betonpiste – zumal die Veloroute 2 nicht weit entfernt durch Kleingärten und Nebenstraßen führt. Auch die Idee, wie an der Königstraße per weißer Linie neben einem breiten und funktionierenden Fahrradweg nun auf der Straße einen zweiten zu schaffen, kann nicht überzeugen. Geht es dabei noch um die Förderung des Radverkehrs oder doch schon um eine Kampfansage gegen das Auto?

Mit Ideologie wird eine zukunftsfähige Mobilität nicht gelingen – sie muss im besten Wortsinn alle Menschen mitnehmen. Die autogerechte Stadt war Blödsinn, aber eine Fixierung aufs Fahrrad bringt uns auch nicht weiter.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung