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Wie Joshua Kimmich seine Glaubwürdigkeit verspielte

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Iris Mydlach
Redakteurin Iris Mydlach.

Redakteurin Iris Mydlach.

Foto: Mark Sandten / MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Der Fußballprofi des FC Bayern München äußerte seine Bedenken bezüglich Corona-Impfungen. Seine Taten zeigten etwas anderes.

„Es ist dumm, nicht zu lernen.“ Dieser Satz stammt von Joshua Kimmich, Fußballprofi in Diensten des FC Bayern München und Nationalspieler, er fiel während eines Lehrgangs bei den DFB-Junioren, auf dem sowohl Kimmich als auch sein Zimmernachbar Niklas Stark für eine Prüfung lernen sollten – eine Tatsache, die von Stark so deutlich in Zweifel gezogen wurde, dass ihn Kimmich ermahnte.

Natürlich ist keiner der beiden hier im Einstieg erwähnten Profis dumm – und schon gar nicht Joshua Kimmich. Unter den deutschen Fußballprofis gilt der 26-Jährige als reflektierter Musterschüler, was sich nicht nur an seiner Art, Fußball zu spielen, ablesen lässt. Auch sein Abitur hat der Defensivstratege mit der Note 1,7 abgeschlossen.

Corona-Impfung: Joshua Kimmich hat Bedenken

Es ist also durchaus glaubwürdig, dass sich der 26-Jährige seit Langem und noch immer mit der Frage beschäftigt, ob er sich gegen das Coronavirus impfen lassen soll oder nicht. Zweifel an einer Impfung haben immer ihre Berechtigung, weshalb es wichtig ist, sich umfassend über Nutzen und Risiken zu informieren. Zeit dafür wird Joshua Kimmich inzwischen genug gehabt haben – zu einem Ergebnis ist er allerdings noch nicht gekommen.

Er habe persönlich ein paar Bedenken, was fehlende Langzeitstudien angehe, sagte er im Anschluss an den 4:0-Sieg der Bayern über die TSG Hoffenheim am Sonnabend in einem Interview. „Trotzdem ist es nicht so, dass ich ein Corona-Leugner oder Impfgegner bin. Das finde ich so ein bisschen schade in der Debatte, dass es nur um geimpft oder nicht geimpft geht.“

Kimmich verspielte seine Glaubwürdigkeit

Es sind Sätze, die nicht nur die Fußballfans an diesem Wochenende ein wenig ratlos zurücklassen. Das Thema schlägt längst Wellen über die Welt des Profifußballs hinaus. Sie fallen zusammen mit einem sprunghaften Anstieg der Corona-Zahlen und weiterhin (zu) vielen tödlichen Verläufen in dieser uns alles abverlangenden Pandemie, in der es eine essentiell wichtige Währung gibt: Glaubwürdigkeit.

Die hat Joshua Kimmich mit seinen Äußerungen am Sonnabend verspielt – zumindest als Mitbegründer der Initiative „We Kick Corona“. Sicher, die von ihm und Nationalmannschaftskollege Leon Goretzka im März 2020 ins Leben gerufene Aktion soll vor allem Menschen unterstützen, die in der Pandemie in Not geraten sind. Sie startete zu einem Zeitpunkt, als die Entwicklung eines Impfstoffs noch in weiter Ferne lag. Aber noch im September 2021 spendete „We Kick Corona“ 500.000 Euro an Unicef, um „die größte globale Impfaktion aller Zeiten“ (Unicef) mitzufinanzieren. Einen Impfstoff weltweit zu verbreiten, an dem man selbst so tief zweifelt – das ist nicht wirklich nachvollziehbar.

Corona-Regeln sollten für alle gelten

Und: Auch die Debatte um privilegierte Fußballprofis in dieser Pandemie hat spätestens jetzt neue Nahrung erhalten. Denn Joshua Kimmich verrichtet seinen Job ja nicht an irgendeinem Ort. Er verrichtet ihn in Stadien, in denen immer mehr Menschen außen vor bleiben müssen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen. Und Regeln, das wird niemand besser wissen als Joshua Kimmich, sollten immer für alle gelten - gleichermaßen.

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