Meinung
Dohnanyi am Freitag

Ampel-Sondierungen – „Wir können nur hoffen“

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Klaus von Dohnanyi

Klaus von Dohnanyi

Foto: Ha / HA

Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über das Ergebnis der Ampel-Sondierungen.

Hamburg. Matthias Iken: Wie schätzen Sie das Ergebnis der Ampel-Sondierungen ein?

Klaus von Dohnanyi: Die Engländer haben hierfür ein schönes Sprichwort: Der Pudding erweist sich erst beim Essen. Es gibt inzwischen zur Ampel keine vernünftige Alternative mehr, und da muss man befürchten, dass die Parteien die bitteren Substanzen ihres Zukunftsmenüs jetzt erst einmal ordentlich zuzuckern. Aber das Leben bringt solche Widersprüche immer an den Tag. Es sind meist die unerwarteten Dinge, die Krisen, in denen sich Mut, Charakterstärke und Loyalität erweisen müssen, privat und in der Politik. Da wissen wir jetzt über diese Koalition noch nichts und können nur hoffen.

Iken: Wo sehen Sie die Bruchstellen?

Dohnanyi: Das ist heute nicht voraussehbar, obwohl wir wissen, wie unterschiedlich die drei Parteien jeweils am liebsten an die großen Probleme der nächsten Jahre herangehen würden: private Initiative oder staatliche Lenkung? Ich mache mir mehr Sorgen um einige führende Personen und deren mögliche zukünftigen Aufgaben. Da wird Frau Baerbock als Außenministerin gehandelt, aber mit Porzellan hat sie offenbar wenig Erfahrung: Mühsam hatten doch Angela Merkel und Olaf Scholz Nord Stream 2 in trockene Tücher gebracht, da packt sie das Ganze locker in eine Kiste ohne Boden. Ich bezweifele, dass Scherben Glück bringen. Fridays for Future taugt für die Straße, aber nicht für die leisen Zimmer der Diplomatie. Da mache ich mir schon Sorgen in diesen komplizierten Zeiten!

Iken: Wird die ambitionierte Klimapolitik zur sozialen Belastung?

Dohnanyi: Aber sicher! Und das wissen alle, auch die Ampel-Parteien. Der Klimaschutz wird teuer, der Kampf gegen die längst eingetroffenen Folgen des Klimawandels erst recht. Wo liegen die größten Gefahren für Deutschland: Im Klimawandel? In seinen sozialen und wirtschaftlichen Folgen? In der Bedrohung demokratischer Stabilität? Wo müssen wir politische Kraft und unser knappes Geld investieren – in der Nato oder in diesen Gefahren? Viel politische Weitsicht und innenpolitischer Mut werden gefordert sein. Einem kessen Wort würde ich solche Fragen ungern anvertrauen!

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