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Zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media in Berlin.

Foto: Laible/Berghäuser

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke über die Zukunft der CDU.

Hamburg/Berlin. Christoph Schwennicke (r.) und Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, während die Gespräche zwischen SPD, Grünen und FDP so verlaufen, dass aus meiner Sicht die erste Ampel-Bundesregierung kommen wird, bin ich, was die Zukunft der CDU angeht, etwas ratlos. Was da gerade passiert, erinnert mich an den Zustand der SPD nach der Bundestagswahl 2017.

Schwennicke: Das Muster ist erkennbar das gleiche und fängt schon bei der raschen Folge der Parteivorsitzenden an. Was irre ist: Gerade sah alles noch stabil aus, und mit einem Mal liegt alles in Trümmern.

Haider: Und die CDU spricht darüber, das zu machen, was sie bei der SPD belächelt hat: einen Mitgliederentscheid oder wenigstens eine stärkere Beteiligung der unteren Parteiebenen über deren Funktionäre.

Schwennicke: Da ist jeder Zusammenhalt abhandengekommen. Die Partei hat sich selbst verloren. Du hast bestimmt eine Ahnung, woran das meines Erachtens liegt.

Haider: Kann es irgendetwas damit zu tun haben, dass Angela Merkel 16 Jahre Bundeskanzlerin war? Bei dir ist sie ja an allem schuld ...

Schwennicke: Eine Kanzlerin und jahrzehntelange Parteivorsitzende darf man da schon eher in politische Haftung nehmen als den Platzwart unseres Tennisvereins. Dass Merkel jetzt ungerührt ihre Welttournee zum Abschied fortsetzt, während sich die CDU zeitgleich zerlegt, hat insofern etwas Sprechendes.

Haider: Was sollte sie sonst machen? Ihre Nachfolger hatten jetzt ja schon ein paar Jahre Zeit, die CDU neu aufzustellen, sie haben sie nur nicht genutzt ...

Schwennicke: Weil sie bislang nicht die Traute hatten, sich hinreichend von Merkel und ihrem Erbe abzugrenzen. So wie sie es seinerzeit bei Helmut Kohl gemacht hat. Wenn Paul Ziemiak jetzt eine „brutale“ Aufarbeitung ankündigt, bin ich in der Hinsicht sehr gespannt.

Haider: Erstaunlich ist, dass einem niemand sofort einfällt, der die Erneuerung der CDU glaubhaft angehen könnte – außer Friedrich Merz, aber der ist zu alt dafür, oder?

Schwennicke: Ich fände Carsten Linnemann ideal. Nächste Generation und doch schon erfahren. Steht für eine CDU, nach der sich viele in der Partei und außerhalb sehnen.

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