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Sporthalle Hamburg: Eine Chance für den HSVH?

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Maximilian Bronner
Maximilian Bronner ist Volontär in der Sportredaktion  des Abendblatts.

Maximilian Bronner ist Volontär in der Sportredaktion des Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Sportlich und finanziell dürfen sich die Handballer über die Rückkehr freuen – auch wenn die Barclays Arena mehr Glanz versprüht.

Hamburg. Keine Frage – die große Barclays Arena am Volkspark macht für Heimspiele in der Handball-Bundesliga deutlich mehr her als die kleine Sporthalle Hamburg. Die spektakuläre Einlaufshow mit einer großen Licht- und Soundanlage, der mächtige LED-Würfel unter der Hallendecke und großzügige Logen zwischen Ober- und Unterrang.

Doch was nützt es dem HSV Hamburg (HSVH), wenn 10.000 von 13.000 Plätzen leer bleiben? Richtig, gar nichts. Die Rückkehr in die Sporthalle Hamburg gegen den TSV GWD Minden an diesem Sonntag (16 Uhr/Sky) ist wirtschaftlich und sportlich elementar für den Verein.

Hamburger Handballer können wieder in die Sporthalle – zum Glück

Mitte April hatte eine technische Überprüfung der Sporthalle in Winterhude ergeben, dass sich schwere Betonplatten am Dach über ein bestimmtes Maß heruntergebogen hatten. Die Halle wurde vom Bezirksamt Nord umgehend geschlossen, der geschockte HSVH trug seine Zweitligaspiele kurzerhand in seiner Trainingshalle aus.

Was danach folgte, glich einem bizarren Schauspiel. Weil Gutachter zunächst davon ausgegangen waren, dass die Sanierung der Halle bis Herbst 2022 dauern könnte, drohte der HSVH im Falle des Bundesligaaufstiegs plötzlich ohne Halle dazustehen. Die Barclays Arena ist von 2022 an nahezu vollständig ausgebucht.

Handballer beinahe ohne Halle

Weil die Stadt ebenso hilflos wie träge zu handeln schien, suchte HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke verzweifelt nach Alternativen. Nachdem Spiele in den Messehallen oder in einer mobilen Leichtbauhalle nicht möglich erschienen, kam am 9. Juli die erlösende Nachricht, dass die Sporthalle bereits im Oktober 2021 wieder öffnen kann. Das Bezirksamt Nord hatte zuvor ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben.

Die Stadt bewahrte diese überraschende Wendung übrigens vor einem Volldebakel – hatte sie den Handballern doch noch im Mai empfohlen, sich Termine in der neuen Arena Lüneburger Land zu sichern. Die richtige Pointe folgte erst später: Auch die Arena in Lüneburg ist bis heute nicht fertiggestellt.

Viele Sitzplätze in der Barclays Arena blieben leer

Die ersten fünf Heimspiele bestritt der HSVH nun mangels Alternativen in der teuren Barclays Arena. Abgesehen vom Topspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt am vergangenen Sonntag (6437 Zuschauer) kamen durchschnittlich 2660 Fans in die große Arena. Der Verein benötigt jedoch mindestens 4500 Zuschauer, um die Spieltagskosten (75.000 Euro) dort aufzufangen.

Das gelang nur gegen Flensburg, in den ersten vier Spielen schrieb der Verein pro Heimspiel Verluste zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Auch beim noch nicht terminierten Spiel gegen den THW Kiel Anfang Dezember erwartet der HSVH viele Fans, wird deshalb wieder die Größe der Barclays Arena nutzen.

Tickets kosten wieder weniger

In der Sporthalle Hamburg (Kapazität 3570 Zuschauer) reichen dem Verein hingegen bereits die Einnahmen aus den rund 1800 verkauften Dauerkarten, um die Spieltagskosten von 25.000 Euro zu decken. Gegen Minden erwartet der HSVH mehr als 3000 Fans – die Einnahmen sind nach der zehrenden Corona-Zeit von großer Bedeutung. Anders als Fußballclubs wie der HSV oder der FC St. Pauli leben Handballvereine nicht in erster Linie von TV-Geldern, sondern von Sponsoren und Ticketverkäufen.

Durch die geringeren Kosten in der Sporthalle kann der HSVH auch die Ticketpreise senken. Während die Preiskategorie eins in der Barclays Arena mit rund 50 Euro noch viele abgeschreckt haben könnte, dürften Fans bei 36 Euro in der Sporthalle schon eher zugreifen.

HSVH: In der Sporthalle zu Hause

Auch wenn die Stimmung in der Barclays Arena durchaus gut war, sagt HSVH-Rückraumspieler Jan Forstbauer, „wirkten die Zuschauer teilweise ein bisschen verloren“. Grundsätzlich fühle sich die Mannschaft in der Sporthalle auch mehr „zu Hause“, betont er.

Seit dem Neuanfang in der Dritten Liga 2016 spielte der HSVH ausschließlich in Winterhude, die Ausnahme war jeweils ein Weihnachtsspiel pro Saison in der Barclays Arena. Auch wenn der Saisonstart mit 7:7 Punkten überraschend positiv verlief – die Rückkehr in die gewohnte Umgebung dürfte beim Aufsteiger zusätzliche sportliche Kräfte freisetzen.

Und mit weiteren Siegen würde die Sporthalle Hamburg dann auch ganz automatisch etwas vom Glanz der großen Barclays Arena bekommen.

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