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Gendern: Sternchenstunde im Rathaus

Andreas Burgmayer
Abendblatt-Redakteur Andreas Burgmayer

Abendblatt-Redakteur Andreas Burgmayer

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Norderstedts Gender-Erlass ist konsequent und zeitgemäß. Alernativ können Mitarbeitende auch genderneutrale Bezeichnungen verwenden.

Schleswig-Holstein. Mitarbeiter*innen, Dezernent*innen, Kolleg*innen, Bürger*innen – das Gendersternchen ist jetzt Pflicht im Norderstedter Rathaus. In allen Schreiben, Mitteilungen und Vorlagen – intern wie extern – muss es nun verwendet werden. Wahlweise können genderneutrale Bezeichnungen gewählt werden, etwa Mitarbeitende oder Radfahrende.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder (SPD) hat das entschieden. Einen nicht geringen Anteil an der gendergerechten Bewusstwerdung im Rathaus hat der Norderstedter SPD-Stadtvertreter Danny Clausen-Holm, der auch Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbandes Schleswig-Holstein ist und der die Regenbogenflagge konsequent hochhält im Rathaus.

Im Norderstedter Rathaus wird jetzt gegendert

Geräuschlos ging die Einführung des Gendersternchens in Norderstedt über die Bühne. Weil sie von einer breiten politischen Mehrheit getragen wird. Und aus den Reihen der Mitarbeitenden im Rathaus war bislang kein Murren zu vernehmen – zumindest öffentlich.

Denn die Entscheidung ist konsequent und zeitgemäß. Eine Stadtverwaltung hat für alle Bürgerinnen und alle Bürger da zu sein. Und – spätestens seitdem das Bundesverfassungsgericht 2017 die dritte Geschlechtsoption anerkannt hat – auch für alle non-binären Menschen. Nimmt die Stadtverwaltung dieses Urteil, die grundgesetzlich verankerte Gleichberechtigung von Mann und Frau und das Bekenntnis zur Vielfalt der Lebensformen, ernst, dann muss sie dem auch sprachlich entsprechen.

Wer jetzt über die Verschandelung der deutschen Sprache räsonieren möchte, sollte sich nicht an den Gendersternchen in Behördentexten abarbeiten. Sondern am gruseligen Amtsdeutsch darin, mit wortgewordenen Ungetümen wie „Straßenbegleitgrün“ oder „Überschreithilfe“ – das wird achselzuckend hingenommen.

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