Meinung
Leitartikel

Klaus Hasselmann – Pionier der Klimaforschung

| Lesedauer: 3 Minuten
Marc Hasse
Marc Hasse ist landespolitischer  Redakteur des Hamburger Abendblatts.

Marc Hasse ist landespolitischer Redakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Peter Vogel

Der Nobelpreisträger trug maßgeblich dazu bei, dass Klimaforschung zu einem Leuchtturm in der Hamburger Wissenschaftslandschaft wurde.

Hamburg. Die Klimakrise ist präsent wie nie. Als im Sommer in Griechenland und in der Türkei die Flammen wüteten und Starkregen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für eine Katastrophe sorgten, wurde einmal mehr deutlich, welche dramatischen Auswirkungen die globale Erwärmung haben kann. Auch in Hamburg sind die Winter wärmer und nasser, die Sommer heißer geworden.

Wären Wissenschaftler mit ihren Einschätzungen dazu früher durchgedrungen, stünden wir heute womöglich besser da bei der Reduktion von Treibhausgasen einerseits und der Anpassung an den Klimawandel andererseits. Man kann die Entscheidung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, den Physiknobelpreis an drei Klimaforscher zu vergeben, deshalb auch als Mahnung verstehen, wissenschaftliche Erkenntnisse sehr ernst zu nehmen – und energisch gegen eine weitere Erwärmung zu kämpfen.

Nobelpreis ist eine Würdigung der Klimaforschung

Die Auszeichnung für den Hamburger Forscher Klaus Hasselmann ist eine große Ehre für ihn, eine Würdigung der Klimaforschung insgesamt, wenn auch eine späte. Schon vor fast drei Jahrzehnten hatte der Geophysiker mit seiner Arbeitsgruppe gezeigt, dass die globale Erwärmung nicht durch natürliche Klimaschwankungen erklärt werden könne – was Skeptiker allerdings auch viele Jahre später nicht daran hinderte, diese Erkenntnisse in Zweifel zu ziehen.

Hasselmann entwickelte neue Methoden für die Forschung, um den Fußabdruck des Menschen im Klimasystem zu erfassen – und er wies darauf hin, dass die komplexen Systeme Atmosphäre und Ozean zusammengedacht werden müssen, um den Klimawandel möglichst genau zu erfassen. Er war ein Pionier der computerbasierten Klimamodellierung, die früh einen Zusammenhang zwischen den Treibhausgasemissionen durch die Menschheit und der Erwärmung zeigte.

Hasselmann hat sich als Talentförderer verdient gemacht

Im Bericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013 war der Wandel des Klimas als eindeutig beschrieben, menschliches Handeln als Grund dafür als „äußerst wahrscheinlich“ bezeichnet worden. Für den jüngsten, im August vorgelegten IPCC-Report hatten mehr als 200 Forschende aus 66 Ländern einige Tausend Studien zum Klimawandel ausgewertet. Ihre wichtigste Aussage: Es sei eindeutig, dass der Mensch für den beobachteten Klimawandel verantwortlich ist. Für die Arbeit von Klaus Hasselmann ist das eine eindrucksvolle Bestätigung.

Der nunmehr 89 Jahre alte Wissenschaftler, der von Kollegen als „kollegial und inspirierend“ beschrieben wird, hat sich darüber hinaus durch seine Arbeit als Talentförderer verdient gemacht. International bekannte deutsche Klimaforscher gingen bei Hasselmann quasi in die Lehre. Als Doktorand arbeitete Mojib Latif bei ihm, heute Professor und Leiter der Abteilung Maritime Meteorologie am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Als Postdoc in Hasselmanns Team forschte Martin Claußen, der später als Professor das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg leitete.

Hamburg ist Klaus Hasselmann zu Dank verpflichtet

Klaus Hasselmann trug auch maßgeblich dazu bei, dass die Klima­forschung zu einem Leuchtturm in der Hamburger Wissenschaftslandschaft wurde. Seit 2008 bekommt die Universität Hamburg Fördergelder für ihre Klimaforschung aus Exzellenzmitteln des Bundes und der Länder. Im Zuge dessen hat die inzwischen interdisziplinär ausgerichtete Hamburger Klimaforschung auch international große Anerkennung erfahren.

Die Bundesregierung dankte Klaus Hasselmann am Dienstag für alles, was er zu unserem Verständnis des Klimas der Erde beigetragen habe. Hamburg ist dem neuen Physiknobelpreisträger in mehrfacher Hinsicht zu Dank verpflichtet.

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