Meinung
Glosse

Schallplatten-Schätze: Käpt’n James bittet zum Tanz

Tino Lange
Tino Lange, Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Tino Lange, Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Klaus Bodig / HA

Für jahrzehntealte Schallplatten kann man viel Geld bekommen – wenn es die richtige Auflage der richtigen Band ist.

Hamburg. Immer, wenn die Motivation nachlässt, schaue ich ins Regal auf die Schallplatte „Käpt’n James bittet zum Tanz“: Auf der Hülle schaut James Last in maritimer Uniform mit weißer Kapitänsmütze in die Kamera und scheint zu sagen: „Wenn du nicht sofort was Lustiges schreibst, musst du zur Strafe diese Platte hören.“

Und die Gefahr, instrumentale Shantys wie „Einmal noch nach Bombay“ oder „Wenn das Schifferklavier an Bord ertönt“ in Hansis Wurstthekensound hören zu müssen, ist so real, dass ich überlege, meine riesige Plattensammlung von elf LPs auf zehn zu reduzieren. Sicher würde mich der Verkauf von „Käpt’n James bittet zum Tanz“ zum gemachten Mann machen. Schließlich ist dieses Spaß-Hochzeitsgeschenk ein Original von 1968.

Und Schallplatten aus dieser Zeit werden mittlerweile für irre Summen gehandelt. Sammler bieten zum Beispiel für ein Exemplar von „The Who Sell Out“ von 1967 bis zu 900 Euro, wenn es eines der ersten 1000 Exemplare mit beigelegtem Poster von The Who ist. Ein sehr prophetischer Albumtitel.

Für jahrzehntealte Schallplatten kann man viel Geld bekommen

Wer historische Erstauflagen, rote oder blaue Vinyleditionen oder Fehldrucke von Legenden wie ABBA, den Beatles oder David Bowie im Keller oder auf dem Dachboden hat, hockt also auf wahren Schätzchen. Obwohl man auch nichts falsch macht, wenn man sie sich einfach anhört. Ist ja tolle Musik.

Aber „Käpt’n James“ wird jetzt verkauft. Was bekommt man dafür … 1,95 Euro? Das ist ja der Wahnsinn! Unerwarteter Reichtum! Jetzt muss ich nie wieder arbeiten! Zumindest für heute. Schreibt euch euren Text hier selber zu Ende, ich gehe das Geld verprassen …


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