Meinung
Schumachers Woche

Ganz allein am See, und die Sonne geht auf ...

| Lesedauer: 2 Minuten
Hajo Schumacher
Autor und Journalist Hajo Schumacher, freier Journalist und Autor für Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen, veröffentlicht u.a. seit 2004 unter dem Pseudonym Achim Achilles die Lauf-Kolumne "Achilles' Verse" über die Eigenheiten vieler Hobbysportler (Spiegel Online), September 2016, Berlin, Deutschland, Europa

Autor und Journalist Hajo Schumacher, freier Journalist und Autor für Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen, veröffentlicht u.a. seit 2004 unter dem Pseudonym Achim Achilles die Lauf-Kolumne "Achilles' Verse" über die Eigenheiten vieler Hobbysportler (Spiegel Online), September 2016, Berlin, Deutschland, Europa

Foto: Annette Hauschild/OSTKREUZ

Bitte alle aufwachen, genug geträumt. Fast wäre auch ich auf die Verheißungen des Urlaubs im Wohnmobil hereingefallen.

Irgendwann kommt der Tag, da reicht es mit den Luxushotels und den Superyachten und den Austern. Von Champa­gner, jünger als mein Geburtsjahrgang, bekomme ich ohnehin Aufstoßen. Es ist der Tag des Ausbrechens: raus aus allen Zwängen, nie wieder Bohnerwachsgeruch im Treppenhaus, rein in die große Freiheit mit Sonnenaufgang am See und bis zur Bitternis dosiertem Pulverkaffee.

Endlich wieder was fühlen, vor allem die Mückenstiche der Nacht und die nervenden Kinder und die Gattin, die einfach nur duschen will.Fast wäre ich auch darauf hereingefallen, auf die Verheißungen des Wohnmobils, des kleinen Modells natürlich, Marke Sparta frugal. Dusche wird überbewertet. Klo braucht man auch nicht, gibt ja Straßenränder, sofern Softeis und Salate ihre Erreger für sich behalten.

Urlaub ist ein Nullsummenspiel

Im Sommer des Wohnmobilbooms zeigt sich, dass Urlaub ein Nullsummenspiel ist. Millionen früherer Flugtouristen gurken nun halt mit dem Camper umher. Müll und Nervensägerei sind nicht weg, sondern finden nur woanders statt. Im engen Altbauviertel sehnen wir uns nach dem guten alten SUV zurück, der deutlich weniger Parkraum benötigte. Dafür endlich wieder Dieselduft.

Stress auch auf dem Land. Eine Bekannte, die bescheidene Ländereien im Osten besitzt, denkt über den Erwerb einer Doppelläufigen nach, um Horden von Wildcampern zu verscheuchen, die offenbar auch keine Bordtoiletten haben, nicht mal Müllbeutel.

Wohnmobil wird zur Immobilie

Wohnmobile seien der Weg aus der Pandemie, hieß es anfangs, damit ließen sich Beherbergungsverbote, Maskenpflicht und geschlossene Kneipen einfach umfahren. Theoretisch richtig, praktisch falsch. Wohnmobilfetischismus funktioniert nach dem Prinzip Golfspielen: Wenn alle wollen, wird’s eng. So sind die Traumplätze am See seit Monaten blockiert, das Mobil wird zur Immobilie. Mit den Corona-Campern wird es enden wie mit den Corona-Hunden: Irgendwann sind die Spielzeuge langweilig geworden, und sie kommen zurück auf den Markt, zu günstigen Preisen.

Bis dahin bleiben wir auf der Yacht.

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