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Klimawandel: Baerbock macht Fehler, Laschet enttäuscht

| Lesedauer: 3 Minuten
Annette Bruhns
Annette Bruhns ist freie Autorin.

Annette Bruhns ist freie Autorin.

Foto: NDR

Wer eine schwere Krankheit hat – und der Klimawandel ist eine solche – eine, der braucht einen erfahrenen Arzt.

Hamburg. Die Grünen proben die doppelte Revolution: Sie wollen an die Regierung mit dem Kampf gegen eine Gefahr, die für viele noch abstrakter ist als die Corona-Pandemie, nämlich die Erderwärmung. Und sie wollen diese Revolution mit einer Kandidatin gewinnen, der das Wahlvolk noch mehr misstraut als 2005 Angela Merkel.

Das sind, offenbar, zu große Ambitionen: Die Grünen scheinen in einer Regierung höchstens noch Mehrheitsbeschaffer werden zu können. Es sei denn, der Klimawandel jagte dem Volk noch einen derartigen Schrecken ein, dass es die einzige Partei, die ihn ernsthaft aufhalten will, trotz seines Misstrauens wählt.

Annalena Baerbock hat noch nie eine Behörde geleitet

Und das Misstrauen kommt ja nicht von ungefähr: Annalena Baerbock hat noch nie eine Behörde geleitet, weder ein Ministerium noch eine Staatskanzlei. Dass sie versucht hat, diesen Mangel durch einen aufgehübschten Lebenslauf und ein zusammengeschustertes Buch zu heilen, hat die Sache nur verschlimmert.

Wer eine schwere Krankheit hat – und der Klimawandel ist eine solche – eine, deren Heilung schmerzhafte Eingriffe erfordert, braucht einen erfahrenen Arzt. Eine Person, die Vertrauen ausstrahlt, die schon viele geheilt hat. Ob Robert Habeck diese Ausstrahlung hätte, ist zwar unklar. Doch war er immerhin Landesminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Realitätsverweigerung auf breiter Front

Angesichts der schwierigen Eingriffe, die die Grünen vorhaben, wäre Habeck die klügere Wahl gewesen. Der Klimawandel ist ja längst da. Und im Wahlkampf zeigt sich deutlich, dass keine Partei diese Bedrohung so ernst nimmt wie die Grünen.

Als Fraktionschef Anton Hofreiter die Binse verkündete, dass Einfamilienhäuser „viel Fläche, viele Baustoffe, viel Energie“ verbrauchen, sahen CDU und FDP darin bloß ihre Chance auf eine neue Verbotsdebatte. Statt sich ernsthaft zu fragen, was uns noch mehr Einfamilienhaussiedlungen nutzen. Bräuchten wir nicht viel mehr die Natur, die wir ihnen opfern, die Wälder, die Wiesen? Und das ist längst nicht das einzige Beispiel von Realitätsverweigerung auf breiter Front.

Mobilität bedeutet gesellschaftliche Teilhabe

Als Baerbock eine Benzinpreiserhöhung von 16 Cent anmahnte, reagierte das politische Establishment wie auf die Androhung einer Menschenrechtsverletzung. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz barmte: „Wer jetzt einfach immer weiter an der Spritpreisschraube dreht, der zeigt, wie egal ihm die Nöte der Bürgerinnen und Bürger sind.“ Fakt ist: In Hamburg wuchs die Zahl der Autos zuletzt stärker als die Zahl der Einwohner.

Meiner Meinung nach müsste der Benzinpreis sogar noch mehr steigen, als die Grünen fordern. Mit dem Aufpreis sollte der Staat den öffentlichen Nah- und Fernverkehr billiger machen. Das wäre auch sozial gerecht, denn es gibt durchaus Menschen, die sich weder ein Auto leisten können noch eine Bus- oder Bahnfahrkarte. Mobilität aber bedeutet gesellschaftliche Teilhabe.

Neuer Tiefpunkt

Doch diese wichtigen Debatten werden nicht geführt. Ein neuer Tiefpunkt wurde jetzt erreicht, als der Kanzlerkandidat der Union das von den Grünen geforderte Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde ablehnte.

Ein Tempo­limit sei „unlogisch“, denn, so Laschets eigenwillige Logik: Elektroautos würden kein Kohlendioxid verbrauchen. Aha. Strom kommt in Nordrhein-Westfalen offenbar aus der Steckdose statt aus Kohlekraftwerken. Und wenn Armin Kanzler wird, bringt der Storch allen Familien einen Tesla. Fragt sich, ob eine unerfahrene Ärztin angesichts der realen Krise nicht doch die bessere Wahl ist als ein gestandener Quacksalber.

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