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Klassik-Konzerte: Es gibt nichts Gutes, außer ...

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Wie wäre es mit Umdenken bei Klassik-Konzerten? Konzert-Formate sind keine zehn Gebote, sie sind änderbare Konventionen.

Hamburg. Wo steht in Stein gemeißelt, dass ein Klassik-Konzert IMMER zwei Hälften hat, dass es um 20 Uhr beginnt und gegen 22 Uhr endet? Na eben. Konzert-Formate sind keine zehn Gebote, sie sind änderbare Konventionen, sie waren es schon immer und zu Bachs Zeiten anders als bei Beethoven. Jetzt, da das Corona-Elend zu enden scheint, nähert sich das „neue Normal“. Bei den Themen Kultur und Normalität sollte man aber ins Grübeln kommen, ob dieses Denken immer so starr bleiben muss wie das teutonische Grundgesetz mit den Kännchen und dem „nur draußen“.

In den letzten Tagen ballten sich kurze Comeback-Konzerte in den Spielplänen. Etwa eine Stunde, keine Pause, also: früher da, früher wieder zu Hause und der Abend wäre danach klar noch jünger als „früher“. Momentan sind sie, noch, auch Notwehr. Trotzdem sind sie keine Mogelpackung, bevor man wieder tarifrechtlichen, finanziellen oder anderen Spielregeln gehorchen muss.

Ganz schön sind diese Konzertchen, eigentlich. Und seit Jahren, ach was: Seit Jahrzehnten schon gehört es zu den immer wieder schwungvoll vorgetragenen „Man müsste doch mal ...“-Parolen einflussreicher Anbieter, sich dringend neue, andere, zeitgemäßere Konzert-Konfigurationen auszudenken.

Es wurde so viel gewagt und geändert seit März 2020

In der nächsten Saison hätte man sie als eine mögliche Wechsel-Größe weiter anbieten können. Doch wie es jetzt aussieht, wird daraus eher nichts. Eine geradezu kultursoziologische, aber wohl auch eine vertane ökonomische Chance, um neues, anderes, jüngeres Publikum mit kleinen Opus-Dosen in Konzerte zu bekommen. Klar wäre das die x-te Umstellung gewesen; klar wäre es ohne vielleicht einfacher.

Klar sind alle mürbe in der Kultur, nach 15 Monaten Katastrophe und Existenzkämpfen gegen Ignoranz und mitunter kunstbanausige Bürokratie. Es wurde so viel gewagt und geändert seit März 2020. Warum also nun – erst recht in der Musikstadt Hamburg – nicht auch das?

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