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Deutscher Lustlos-Fußball? Von wegen!

Maximilian Bronner
Maximilian Bronner ist Volontär im Sportressort.

Maximilian Bronner ist Volontär im Sportressort.

Foto: Andreas Laible / HA

Hamburg. Wer am Sonntagabend zu den 5,36 Millionen deutschen Fernsehzuschauern gehörte, die den 1:0-Sieg der U21-Junioren im EM-Finale über Portugal verfolgten, dürfte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Begeisterung für eine Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes empfunden haben.

Gier, Leidenschaft, Aggressivität, Geradlinigkeit – die U21 zeigte alles, was die A-Nationalmannschaft unter Joachim Löw in den vergangenen Jahren so oft vermissen ließ.

Erstmals seit langer Zeit wieder Begeisterung für eine DFB-Auswahl

Tatsächlich waren es vor allem die Details, die überzeugten. Zum Beispiel eine Aktion von Mittelfeldspieler Niklas Dorsch, der sich nach einem 40-Meter-Sprint und anschließender Grätsche nicht etwa auf den Hosenboden setzte, um gemütlich die Stutzen über die Knie zu ziehen, sondern, nachdem er seinen Krampf aus dem Muskel gedrückt hatte, aufsprang und mit seinen Mitspielern abklatschte. Die Szene erinnerte ansatzweise an den aufopferungsvollen Auftritt Bastian Schweinsteigers im WM-Finale von Rio 2014.

Auch nach dem Schlusspfiff dachte Dorsch nicht etwa an ein Selfie für seine rund 88.000 Instagram-Follower, sondern grüßte zuerst seine Oma im Oberfränkischen – und zeigte damit vor allem Bodenständigkeit, die dieser Generation von Nachwuchsstars mitunter abgesprochen wird.

Löws A-Elf sollte ihre höhere Qualität unter Beweis stellen

Rund 1000 Kilometer vom Finalort, dem slowenischen Ljubljana, entfernt dürfte auch die A-Nationalmannschaft im Düsseldorfer Teamhotel nicht übersehen haben, wie hart Dorsch und Co. kämpften.

Der scherzhafte Vorschlag, anstatt des Löw-Teams nun die U21 bei der EM antreten zu lassen, mag erheiternd sein. Fraglos verfügt die A-Elf über eine deutlich höhere Qualität. Diese muss sie nun abrufen – und sich, auch um die Fans wieder zu begeistern, vor allem in Sachen Einstellung und Teamgeist an der U21 messen lassen.

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