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Hamburg darf seine Proficlubs nicht vernachlässigen

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Björn Jensen
Der Autor ist Sportreporter beim Abendblatt

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Foto: Marcelo Hernandez / HA

Ein Umzug nach Lüneburg wie für den HSVH sollte für einen Hamburger Bundesligisten niemals die beste Option sein dürfen.

Man sieht sie bereits vor sich, die hämischen Schlagzeilen. Sollte es wirklich dazu kommen, dass die Handballer des HSV Hamburg nach dem durchaus wahrscheinlichen Aufstieg in die Bundesliga die Heimspiele in Lüneburg austragen müssten, wäre das eine Steilvorlage für alle, die Hamburg nach den Rückschlägen dieses Jahres bereits auf dem Weg zur Inactive City verorten. Ein sehr restriktiver Umgang mit dem Breitensport, eine im Bundesvergleich sehr späte Öffnung für Landeskader-Leistungstraining, dazu als Krönung der Dachschaden in der Sporthalle Hamburg, der die HSV-Handballer heimatlos machte – es lief wahrlich nicht rund in den ersten Monaten des Jahres 2021 für die Sportstadt, die seit Herbst 2018 das Gütesiegel Global Active City führen darf.

Dennoch ist Häme ebenso fehl am Platz wie ein Vermischen von Konzepten. Als Global Active City will Hamburg seine Einwohner zu mehr Bewegung animieren; ein Ansatz, der zu Recht oft gelobt wurde. Die Förderung von Profisport zählt nicht zu diesem Konzept, und man kann für den Leitgedanken dahinter, dass sich professioneller Sport als Geschäftsmodell unabhängig von staatlicher Unterstützung tragen muss, zumindest Verständnis aufbringen.

Hamburg darf seine Proficlubs nicht vernachlässigen

Dennoch sollte eine Stadt, die nennenswerte Summen in die Akquise von Leuchtturmveranstaltungen investiert, dringend darauf achten, ihre Proficlubs nicht zu vernachlässigen. Schließlich sind diese nicht nur dauerhaft bundesweite Botschafter für Hamburg, sondern produzieren auch jene Vorbilder, die es in der Spitze braucht, um der breiten Masse die Faszination Sport näherzubringen. Eine zukunftsorientierte Infrastruktur ist die Basis erfolgreichen Leistungssports, und da gilt es anzupacken.

Der Elbdome als neue Heimat der Basketball-Towers und der Handballer, dessen Bau im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, muss schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden, weil er als rund 8000 Zuschauer fassende Arena die Lücke zwischen Barclaycard Arena (rund 13.000) und kleineren Standorten wie der edel-optics.de Arena in Wilhelmsburg und der CU Arena in Neugraben schließt. Die Sporthalle in Winterhude muss entweder grundsaniert oder durch einen Neubau ersetzt werden.

Dazu braucht es perspektivisch ein drittligataugliches Fußballstadion in der Größenordnung 12.000 bis 15.000 Plätze, das auch für Footballspiele genutzt werden kann, und eine profitaugliche Eissporthalle. Zu warten, bis bauliche Mängel oder rechtliche Vorgaben zum Handeln zwingen, ist für eine Global Active City zu wenig. Denn eins steht fest: Ein Umzug nach Lüneburg sollte für einen Hamburger Bundesligisten niemals die beste Option sein dürfen.

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