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Flugzeugbauer Airbus: Sozialer Friede in Gefahr

Wolfgang Horch
Wolfgang Horch ist Wirtschaftsredakteur beim Abendblatt.

Wolfgang Horch ist Wirtschaftsredakteur beim Abendblatt.

Foto: Michael Rauhe / HA

Geplante Umstrukturierung verunsichert die Belegschaft. Die letzten Einschnitte beim Personal sind noch nicht lange her.

Hamburg. Auf die Luftfahrt kommen große Herausforderungen zu. Die Branche muss „grüner“ werden, will sie ihr schlechtes Image in der Klimaschutz­debatte loswerden. Airbus geht mit der Vorgabe, bis 2035 ein Flugzeug zu entwickeln, das mit „grün“ erzeugtem Wasserstoff fliegt, in die richtige Richtung. Allerdings wird das flüssige Gas sehr viel mehr Volumen an Bord einnehmen als das bisher verwendete Kerosin. Die Tanks müssen größer werden. Das wird tiefgreifende Veränderungen der Flugzeugstruktur nach sich ziehen.

Daher ist es richtig, dass der Konzern diesen Bereich wieder als Kernaktivität sieht. Und es ist verständlich, die vor Jahren in die eigene Tochter Premium Aerotec ausgelagerte Fertigung der Rumpfteile wieder näher an sich zu ziehen – warum Rumpffertigung und Strukturmontage dann allerdings in eine neue 100-prozentige Tochter ausgelagert werden sollen, bleibt nebulös.

Drücken der Arbeitskosten

Auch wenn zunächst alle Beschäftigten ihre bei Airbus erworbenen Ansprüche mit in die Tochter nehmen sollten, dürfte es perspektivisch um
das Drücken der Arbeitskosten gehen. Sprich: Neu eingestelltes Personal erhält weniger Geld, muss länger arbeiten oder büßt Urlaubstage ein. Für den sozialen Frieden auf dem Werksgelände birgt das erhebliches Konfliktpotenzial. Wenn der Kollege bei gleicher Arbeit mehr verdient, kommt Unmut auf.

Zumal die letzten Einschnitte beim Personal noch nicht lange her sind. Rund 1000 Hamburger Beschäftigte nahmen Abfindungen an, um den coronabedingt angestrebten Jobabbau zu ermöglichen. Nun dürfte die Verunsicherung bei Mitarbeitern auch anderer Bereiche wieder hoch sein. Zum Abrufen des Leistungsoptimums trägt das nicht bei. Airbus sollte schnell reinen Wein einschenken, was die Umbaupläne auch finanziell fürs Personal bedeuten.

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