Meinung
Dohnanyi am Freitag

Lasst die Firmen arbeiten!

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Matthias Iken
Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Sven Simon/Andreas Laible / imago images/HA

Hamburgs Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über die Stilllegung von Industriebetrieben.

Hamburg. Matthias Iken: Die Bewegung Zero-Covid und die Linkspartei möchten Indus­triebetriebe stilllegen, um die Inzidenzen zu senken. Was halten Sie davon?

Klaus von Dohnanyi: Wenn wir als Menschen die Kontakte minimieren wollen, müssen wir uns ja trotzdem ernähren. Wenn Deutschland insgesamt die Kontakte herunterfahren will, dann bitte nicht das, was Deutschland ernährt: die produzierenden Betriebe. Sie ermöglichen unseren Wohlstand, hier zu Hause und auf den Exportmärkten. Diese Betriebe per Lockdown zu schließen wäre ein fataler Fehler.

Iken: Während die Industrie noch eine starke Lobby hat, fühlen sich Einzelhändler und Gastronomen vergessen …

Dohnanyi: Es zählt einfach wirtschaftliche Vernunft. Bei Europas großen Konkurrenten, USA und China, ist die Wirtschaft auf stärkerem Wachstumskurs. Um nicht abgehängt zu werden, müssen wir unsere Positionen auf den Weltmärkten energisch verteidigen. Wenn nun die deutsche Industrie ein paar Wochen dichtmachen würde, werden eben die anderen liefern. Die würden aber später den jetzt eroberten Platz nie wieder frei machen. Natürlich ist die Lage hart für die Unternehmer in Restaurants oder Modeläden, aber man kann ihnen ja großzügig finanzielle Überbrückung zukommen lassen. Nach Corona wird es bestimmt kein Deutschland ohne Gaststätten oder Friseure geben! Das alles wächst nach. Jetzt muss erst mal das Herz unserer Wirtschaft überleben, auch damit die andere Wirtschaft dann wieder wachsen kann.

Iken: Nun kommt die Testpflicht. Kann man Firmen zu etwas verpflichten, woran der Staat oft scheitert?

Dohnanyi: Die Unternehmen sollten eine Möglichkeit für Tests anbieten. Aber wer sich nicht testen lassen will? Nach Hause schicken, wie kürzlich ein weinendes Kind, weil Vater es verboten hatte? Die Unternehmen sollten Homeoffice anbieten soweit eben möglich; und testen, wenn es geht. Aber das betriebliche Geschehen ist unterschiedlich. Da muss man auch auf die Vernunft der Chefs und Betriebsräte vertrauen. Wie gesagt: Das produzierende Gewerbe, seine Dienstleister und sein Handwerk, sind das Fundament unseres Wohlstandes. Lasst sie arbeiten!

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