Meinung
Leitartikel

Die Kraft des Sports in der Corona-Pandemie

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Laux
Alexander Laux,
Leiter der
Sportredaktion
des Hamburger
Abendblatts.

Alexander Laux, Leiter der Sportredaktion des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible

Hamburg feiert seine Besten – in dieser Zeit ist das ein wichtiges Signal. Athleten behielten ihre Ziele fest im Blick.

Hamburg. Wer mich fragt, welche Bilder mir aus den vergangenen Monaten beim Thema „Sport in der Pandemie“ in den Sinn kommen, den erinnere ich gerne an die Geschichte, als die Hamburgerin Tamara Korpatsch während des ersten harten Lockdowns mit ihrem Vater sonntags zum Parkplatz eines Discounters in Schnelsen oder zu einem Möbelhaus in Eidelstedt fuhr, um ein paar Tennisbälle über die Schnur zu spielen.

Andere wie die Olympiahoffnungen Julius Thole und Clemens Wickler trainierten getrennt voneinander im heimischen Garten. Zwei kleine Geschichten von vielen, die eine Hartnäckigkeit und einen Optimismus ausstrahlen, der mir gefällt: Trotz aller Widrigkeiten behielten viele Hamburger Sportlerinnen und Sportler ihre Ziele fest im Blick und zeichneten sich durch einen großen Erfindungsreichtum aus. Die große Kraft des Sportes, sie war wieder einmal spürbar.

Erstmals wird die Mannschaft des Jahres im ­Livevoting gewählt

Einige von diesen Sportlern durften selbst in einem Jahr, in dem die meisten Wettbewerbe leider ausfallen mussten, bemerkenswerte Erfolge feiern. In normalen Zeiten würden sich die Titelträger ihren verdienten Applaus traditionell bei der Hamburger Sportgala abholen, früher in der Handelskammer, zuletzt in der Volksbank Arena. Eine Würdigung der Leistungen ausfallen zu lassen, weil eine Veranstaltung mit Hunderten Gästen derzeit nicht möglich ist, kam jedoch nicht infrage.

So kommt es in diesem Jahr zu einem Novum: zur „Hamburger Sportgala #digital“. Passend zu einer Zeit, in der sich die meisten Menschen beruflich oder privat nur per Video sehen können, gibt es in genau einer Woche, am 13. April zwischen 19 und 20 Uhr, eine Livesendung aus dem Studio, die auf „www.abendblatt.de“ gestreamt wird. Auch ist neu: Erstmals wird die Mannschaft des Jahres von den Nutzern im ­Livevoting gewählt.

Vertrauen zurückgewinnen

Also alles toll? Natürlich nicht. Dem Sport mit der „Sportgala #digital“ eine Plattform zu geben, ist wichtig, kann aber nur als Auftrag verstanden werden, den Kreislauf des Sports in den kommenden Monaten nicht nur am Leben zu halten, sondern ihn zu stärken. Welche Anstrengung dafür nötig sein wird, lässt sich an Zahlen ablesen: Mehr als zwei Millionen Euro wurden bereits aus den Hilfsfonds der Stadt abgefordert, viele Clubs sprechen mit dem Hamburger Sportbund (HSB) über finanzielle Unterstützungen.

Wenn die Pandemie hoffentlich in einigen Monaten bezwungen sein wird, braucht es eine kluge Strategie, die abgewanderten Mitglieder wieder zurück in die Vereine zu locken. Die Stadt Hamburg, die gemeinsam mit dem Abendblatt zur „Sportgala #digital“ einlädt, hat hier schon ihre Unterstützung zugesagt. Wie schnell es gelingen wird, das Vertrauen zurückzugewinnen, ist allerdings eine von vielen offenen Fragen.

Besonders der Nachwuchsleistungssport hat massiv gelitten

Zur Wahrheit gehört natürlich aber auch, dass besonders der Nachwuchsleistungssport unter den Corona-Einschränkungen massiv gelitten hat. An Training war und ist über viele Monate nicht zu denken gewesen. Welche Auswirkungen es haben wird, dass praktisch eine ganze Generation im wichtigsten Teil ihrer Entwicklung zum Stillstand gezwungen war, wird man erst in einigen Jahren bilanzieren können.

Unsere Gesellschaft benötigt aber dringend diese nachwachsenden Leistungssportlerinnen und -sportler, die als Vorbilder dienen für Millionen von Breitensportlern. Was wir in Deutschland brauchen, sind Menschen mit einem frischen Geist, die sich bei Kulturveranstaltungen treffen, aber genauso beim Sport. Jeder wird ein Ideal haben, in welcher Umgebung er leben möchte. Wieder eine vitale Gesellschaft zu werden, die in Bewegung bleibt, wäre auf jeden Fall ein wünschenswertes Ziel.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung