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Warum die Nationalmannschaft so schlecht spielt

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Alexander Laux
"Auf keinen Fall dürfen wir den Glauben verlieren": Bundestrainer Joachim Löw predigt nach dem Tiefpunkt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Optimismus.

"Auf keinen Fall dürfen wir den Glauben verlieren": Bundestrainer Joachim Löw predigt nach dem Tiefpunkt für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Optimismus.

Foto: Imago/Laci Perenyi

Der FC Hollywood beim DFB-Team. Welche Fehler Löw anzukreiden sind und wie das Trauerspiel der Nationalelf zu erklären ist.

Hamburg. Die vergebene „Jahrtausendchance“ („Süddeutsche Zeitung“) schrie förmlich nach Hohn und Spott – und so kam es dann auch. Nach seiner Slapstick-Einlage beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien (1:2) wurde Timo­ Werner gleich in mehreren Medien zum Ehrenbürger des Zweimillionenstaates ernannt. Den neuen Pass inklusive seines Konterfeis konnte er ebenfalls begutachten. Ironie satt gab es in den sozialen Netzwerken: „Natürlich auch eine Möglichkeit, die WM in Katar zu boykottieren“, schrieb ein Nutzer. Lustig. Wenn es nicht zugleich so traurig wäre.

Die zarte Aufbruchstimmung nach den Auftaktsiegen gegen Island und in Rumänien liegt nur 90 Minuten später in Trümmern. Man mag darüber streiten, ob diese peinliche Niederlage (erst die dritte WM-Quali-Niederlage in der Geschichte des DFB) gegen die tapfer kämpfenden, aber technisch arg limitierten Kicker aus Nordmazedonien schlimmer wiegt als das 0:6 gegen Spanien im November. Historisch waren beide Länderspiele auf jeden Fall.

Wie formulierte es Bundestrainer Joachim Löw bittend nach dem nächsten Offenbarungseid? Die Mannschaft dürfe nun nicht den Glauben an die eigene Stärke verlieren. Doch genau das ist jetzt passiert. „Deutschland ist erneut ein Meer voller Zweifel!“, urteilte die spanische Zeitung „AS". Es stimmt ja. Wer glaubt, dass die Nationalelf in der Lage ist, eine gute Rolle bei der EM zu spielen?

Löw hat jegliches Vertrauen verspielt

Löw, so scheint es, hat den Schlüssel für den Erfolg verloren. Der Glaube, dass ihm sein angekündigter Rückzug nach der EM-Endrunde verlorene Autorität zurückgeben könne, ist dahin. Jede personelle oder taktische Entscheidung, die nicht aufgeht, wird gründlich seziert werden mit der Fragestellung: Was hat er nun schon wieder falsch gemacht?

Wenn aber das Vertrauen der Spieler (und des Umfelds) in den Bundestrainer schwindet, ist die wichtigste Grundlage für maximalen Erfolg verloren. Öffentlich hat Löw sowieso kaum noch Kredit. „Nach dieser Niederlage ist es eindeutig, dass wir auf der Bundestrainer-Position eine Veränderung brauchen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt kurzfristig“, sagte Felix Magath im „Bild“-Podcast „Bayern-Insider“.

Früher einmal mutierte der FC Bayern zum FC Hollywood. Heute sind die Storys rund um die DFB-Elf ähnlich unterhaltsam. Bayern-Ikone Uli Hoeneß riet Löw im TV, auf Jérôme Boateng (seit zehn Jahren bei den Bayern) bei der EM zu verzichten. Hallo!? Loyalität Fehlanzeige.

Löw muss endlich auf die besten Spieler setzen

Wer mag, kann darüber spekulieren, ob ein radikaler Neuanfang ohne Löw die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Abschneiden bei der EM erhöhen würde – der DFB wird diesen Weg aber sowieso nicht einschlagen. Fest steht nur, dass Löw – und zwar so schnell wie möglich – sein Taktieren in den Personalien Thomas Müller und Mats Hummels aufgeben muss. Die DFB-Auswahl benötigt die Erfahrung der beiden Profis dringend, um die Verunsicherung wieder aus dem Team verscheuchen zu können, wenn es überhaupt noch möglich ist.

Ja, es ist ein Trauerspiel. Das Image des DFB, der sich derzeit nur bei Intrigen und Grabenkämpfen weltmeisterlich aufführt, liegt bereits am Boden. Und auch die Nationalmannschaft verliert immer weiter an Ansehen und Attraktivität. Benötigt wird, so scheint es, nicht nur einfach ein Nachfolger für Löw, sondern jemand mit einem breit angelegten Konzept für die Zukunft.

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