Meinung
Pro und Contra

Härterer Lockdown schwer verständlich, aber richtig!

| Lesedauer: 2 Minuten
Stephan Steinlein
Kompletter Stillstand ab Gründonnerstag in Hamburg

Kompletter Stillstand ab Gründonnerstag in Hamburg

Corona-Lockdown verlängert, Maskenpflicht im Auto, strengere Kontaktbeschränkungen, virtuelle Gottesdienste: Nach dem Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher in der Nacht die Ergebnisse eingeordnet. Er ruft zur engmaschigen Schnell- und Selbstteststrategie auf und bedauert die Möglichkeit von Mallorca-Reisen.

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Stephan Steinlein findet die Verschärfung des Lockdowns richtig – auch wenn die Regeln immer schwerer zu verstehen sind.

Hamburg. Ich gebe gern zu, dass es mir zunächst schwerfällt, den Corona-Beschlüssen viel Positives abzugewinnen. Geschlossene Läden am Gründonnerstag führen schlicht zu mehr Gedränge am Mittwoch oder Sonnabend, ein Urlaubsverbot im eigenen Land zur „Flucht“ nach Mallorca. Und dann die völlig nebensächliche Maskenpflicht im Auto, wenn jemand weiterer mitfährt. Das sollen die Prioritäten sein, auf die es jetzt ankommt?

Je länger die Pandemie dauert und die Menschen mental wie körperlich erschöpft, desto schwieriger sind die Antworten nachzuvollziehen, die die Politik nach ihren Ministerpräsidentenkonferenzen liefert. Die Schwächen des Föderalismus werden von Gipfel zu Gipfel offensichtlicher. Eine einheitliche Linie ist immer schwerer zu erkennen: die Kanzlerin wird vorgeführt von Länderfürsten auf Alleingängen; die Idee der gemeinsamen Metropolregion von Hamburg und Schleswig-Holstein wird ein ums andere Mal ins Absurde geführt, wenn hier verboten wird, was dort erlaubt ist.

Beschlüsse auf Politik schwer verständlich

Länderegoismen und eine fehlende Perspektive sind es, die die Menschen zermürben. Die Geduld ist reichlich strapaziert worden, man kann auch sagen, sie ist bei vielen von uns am Ende. Und dennoch ist es richtig, das Land in den verschärften Lockdown zu steuern.

Sicher sind die Beschlüsse aus der Nacht schwer verständlich – erst recht für jeden unmittelbar Betroffenen wie Gastwirte oder Händler. Aber: Falsch sind sie nicht, falsch waren die verfrühten Lockerungen Anfang des Monats – vor denen zu Recht gewarnt worden war. Wer das Shoppen in Pinneberg erlaubt oder einen Tierparkbesuch in Rosengarten, muss sich nicht wundern, wenn Hunderte Meter lange Schlangen zu Superspreader-Ereignissen werden.

Lockdown aufgrund des Versagens der Politik wichtig

Wissenschaftler warnen seit Wochen vor den Folgen einer dritten Welle, ausgelöst durch die ansteckendere und gefährlichere Virus-Mutation. Zwar sterben jetzt weniger Menschen bei uns an den Folgen einer Covid-Erkrankung, aber die Kliniken arbeiten längst wieder am Anschlag.

Lesen Sie auch das Contra zu den Corona-Beschlüssen:

Jetzt Druck aus dem Infektionsgeschehen zu nehmen – auch auf Kosten dringend nötiger Erholung und etwas Abwechslung zu Ostern – ist leider nötig, solange es der Politik nicht gelingt, ihr Versagen in der Beschaffung von Impfstoff zu korrigieren. Das nämlich war der einzige große Fehler.

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