Meinung
Glosse

Homeoffice: Willkommen zur Zoo(m)-Konferenz!

Vanessa Seifert
Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Foto: Andreas Laible

Für Schimpansen sind Liveübertragungen aus anderen Parks ein tierischer Spaß – und wir machen uns im Homeoffice zum Affen.

Es hat „Zoom“ gemacht … und täglich grüßt das Kollegium. Deutschland surft seit einem Jahr auf der Dauerwelle, und Inseln in dieser Lockdown-Lethargie sind die ewigen Videokonferenzen. Besser bekannt als „Einblick in vier Wände“.

Wer hat sie nicht, die Kollegin, die schnell noch die „Bunte“ vom Tisch fegt, um sich irgendwo zwischen Camus („Die Pest“, dieser Tage Pflicht in der gut sortierten Bücherwand!) und Schiller zu drapieren. Oder der Mitarbeiter, der im Bad noch schnell ein anderes Business verfolgt, aber leider das Mikrofon nicht auf stumm geschaltet hat.

Und natürlich die Kollegen, die gern „unten ohne“ tragen und wie unser legendäres WM-Maskottchen Goleo ausnahmsweise mal nicht auf dicke Hose machen. Ja, es gibt viel zu gucken. Bisschen wie im Zoo.

Man erkennt wieder deutlich, von wem wir abstammen

Wobei es dort natürlich gerade auch tierisch langweilig ist. Zwei tschechische Tierparks bespaßen ihre Schimpansen, die sich ja leider gerade nicht vor Publikum zum Affen machen können, deshalb jetzt mit Videoschalten. Das heißt, die Gruppe aus dem Zoo in Brünn beobachtet die Artgenossen aus dem Safari-Park in Dvur Kralove und umgekehrt. Und was soll man sagen? Man erkennt wieder deutlich, von wem wir abstammen.

Am meisten Freude hätten die Tiere nämlich daran, vor ihren Artgenossen anzugeben. Zweitliebste Beschäftigung: den Tierpflegern, bevorzugt dem weiblichen Personal, beim Saubermachen zuzuschauen. Putzen hat ja so was ungemein Meditatives. Insbesondere, wenn man es nicht selbst machen muss.

Also kleiner Streaming-Tipp für lange Corona-Tage: einfach mal ein bisschen Affentheater gucken. Wobei man dafür nun wirklich nicht nach Brünn schauen muss. Ein schneller Blick nach Berlin reicht in der Regel schon.

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