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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefreakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke vom „Cicero“.

Hamburg. Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, täusche ich mich, oder hat man von Angela Merkel zur Corona-Pandemie seit ihrem Treffen mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten kaum noch was gehört? Macht sie das jetzt bewusst, weil das Ende ihrer Kanzlerschaft nahe ist?

Schwennicke: Sie ist schon lange eine lame duck. Man muss Respekt davor haben, wie sie die Tatsache geraume Zeit überspielen konnte. Wer sagt: In vier Jahren hör ich auf – der oder die gibt die Fäden aus der Hand. Sie hat keinerlei Handhabe, die eigenen Leute zu disziplinieren. Damals staunten alle und bejubelten sie: Sie macht es wie keine vorher! Dabei gibt es gute Gründe, dass das vorher niemand so gemacht hat. Weil es Quatsch ist. Man muss keinen Machiavelli gelesen haben, um das zu wissen.

Haider: Ich bemerke in meinem Umfeld, dass sich die Menschen im Bezug auf die Corona-Regeln in zwei Gruppen teilen: Die einen befolgen sie noch strikter, als sie sind, die anderen haben keine Lust mehr und kehren mehr oder weniger zu ihrem alten Leben zurück, treffen Freunde, verreisen ... Wie nimmst du das wahr?

Schwennicke: Es fällt allgemein schwerer, sich an alles zu halten. Weil vieles auch nicht mehr nachvollziehbar ist. Sondern grotesk wirkt. Beispiel: Wenn jemand von einer bestimmten Kanaren-insel zurück nach Deutschland kommt, die Insel hat eine Inzidenz von aktuell 18, dann muss er in Quarantäne, weil die Kanaren insgesamt über 50 liegen. Dabei müsste man die Heimkehrer von dort inzwischen eher vor den zu Hause Gebliebenen schützen. Die Inzidenz in Deutschland steht bei knapp 100 und geht stramm auf 200 zu Ostern zu.

Haider: Die Frage aller Fragen in dieser Woche: Würdest du dich mit AstraZeneca impfen lassen? Es ist ja interessant, dass auf einmal der bisher bei uns wenig gelittene russische Impfstoff sogar von Ministerpräsidenten empfohlen wird ...

Schwennicke: Ich würde alles nehmen, was zugelassen wurde. Auf der Stelle. Auch AstraZeneca. Auch Sputnik V. Bei Stöffchen waren wir im Westen wohl etwas überheblich zu Anfang. Die russischen Forscher haben da offenbar was Tolles in Windeseile zustande gebracht. Überhaupt sollten wir angesichts der Performance hierzulande uns etwas mehr in Demut und Anerkennung üben, was viele andere Teile der Welt anlangt.

( HA )

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