Meinung
Kommentar

Corona und Fußball: Zufall statt Gerechtigkeit

Alexander Laux
Alexander Laux ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Alexander Laux ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Foto: HA / Mark Sandten

Der eine oder andere wird sich vielleicht daran erinnern, unter welchen Umständen sich Dynamo Dresden in der vergangenen Saison aus der 2. Fußball-Bundesliga verabschieden musste. Kurz vor dem Neustart im Mai durften die Sachsen (als einziges Team) zwei Wochen nicht trainieren und mussten später acht Spiele innerhalb von 22 Tagen absolvieren, weil die Deutsche Fußball Liga einer Verschiebung der Nachholspiele in den Juli nicht zustimmte.

Ein klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung, der sich in den kommenden Monaten bei steigenden Inzidenzen mit großer Wahrscheinlichkeit in ähnlicher Form wiederholen könnte. Corona spielt mit beim Auf- und Abstieg, beim Kampf um die Europacupplätze und Millionen-Mehreinnahmen. Der Zufall regiert.

Kaum Widerstände von Vereinen zu erwarten

Für Fußball-Romantiker ist in diesen Zeiten wenig Raum. Der Faktor Gerechtigkeit spielt, wo es nicht nur um viel Geld, sondern auch um Existenzen geht, eine immer untergeordnetere Rolle. Diskussionen über im Bedarfsfall erweiterte Ligen haben zwar ihre Berechtigung, doch eine Umsetzung erscheint genauso unrealistisch wie eine Verlängerung der Saison wegen der im Juni anstehenden EM. Die Show muss weitergehen – unter allen Umständen. Von den Vereinen wird es – solange sie selbst Profiteure der Corona-Pandemie sein könnten – sowieso keine Widerstände geben. Das Wehklagen kommt dann später.

Und sind wir ehrlich: Auch die Sportmedien sind doch unterm Strich froh, dass der Ball rollt. Wer Nutznießer eines (mit Mühe, aber immer noch laufenden) Systems ist, tut sich schwer damit, Auswüchse infrage zu stellen. Obwohl genau das die Pflicht bleibt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung