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Weibliche Führungskräfte fehlen: Aber auch anderes zählt

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Juliane Lauterbach
Die Autorin ist Redakteurin im Lokalressort.

Die Autorin ist Redakteurin im Lokalressort.

Foto: Thorsten Ahlf

Der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen ist ausgerechnet in der für das Thema zuständigen Wissenschaftsbehörde besonders niedrig.

Hamburg.  Ob es sinnvoll ist, dass sich Diskussionen zum Thema Gleichstellung nicht übers Jahr verteilen, sondern am 8. März ballen, sei mal dahingestellt. Die Nachricht, dass der Anteil von Frauen in Spitzenpositionen ausgerechnet in der für das Thema zuständigen Wissenschaftsbehörde besonders niedrig ist, hätte aber wohl auch an jedem anderen Tag für Diskussionen gesorgt.

Es klingt ja auch wie ein Treppenwitz, dass es in jeder anderen Behörde mehr Frauen in Top-Positionen schaffen. Und so tat Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) gut daran, nicht in den erwartbaren Rechtfertigungsmodus zu verfallen. Ihr Tenor: Die Zahlen sind zu niedrig. Das muss besser werden.

Gründe dafür, dass sich der Anteil nicht auf Knopfdruck vervielfachen lässt, gibt es natürlich viele: Behördenzuschnitte ändern sich, Stellen müssen erst vakant werden, um sie neu zu besetzen, und geeignete Bewerberinnen muss es auch noch geben. Ja, es ist unglücklich, wenn gerade das an der Gleichstellungsbehörde nicht richtig rundläuft. Mehr aber auch nicht.

Beim Thema Homeoffice steht die Wissenschaftsbehörde gut da

Wirklich aussagekräftig dafür, ob der Strukturwandel einmal gelingen wird, sind Begebenheiten, wie sie in diesen Tagen leider oft erlebt werden. Zum Beispiel, wenn Frauen berichten, dass der Chef (oder die Chefin) wenig Verständnis dafür hat, dass ein harmloser Kinderhusten den ganzen Tagesplan zunichtemachen kann und davon, dass die eigene Abteilung leider nicht so viel vom Homeoffice hält. Klar: Derlei Berichte lassen sich nicht so gut in Zahlen gießen. Und doch sind sie entscheidend.

Beim Thema Homeoffice steht die Wissenschaftsbehörde übrigens überdurchschnittlich gut da, weil sie 100 Prozent der Mitarbeiter das Arbeiten von zu Hause ermöglicht. Aber wie gesagt: Für sich betrachtet sagt so eine Zahl eben wenig aus.

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