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Gastbeitrag

Mobilitätswende: Hamburg liegt vorn – und muss vorn bleiben

| Lesedauer: 5 Minuten
Harry Evers
Harry Evers, Geschäftsführer ITS-Weltkongress 2021 GmbH.

Harry Evers, Geschäftsführer ITS-Weltkongress 2021 GmbH.

Foto: FACELAND.com

Harry Evers, Geschäftsführer des ITS-Weltkongresses, über den Verkehr der Zukunft und Lehren aus Singapur.

Hamburg. Die Rahmenbedingungen sind klar: 2015 einigten sich 197 Staaten in Paris auf Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase und eine maximale Temperaturerhöhung um zwei Grad. Der im Jahr 2019 von der EU kommunizierte „Green Deal“ enthält auch eine „Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität“, die im Dezember 2020 veröffentlicht wurde. In diesem Jahr wird die „Nationale Plattform Zukunft der Mobilität“ im Auftrag der Bundesregierung das Ergebnis mit der Expertise von über 200 Experten auf dem ITS-Weltkongress für Mobilität in Hamburg vorstellen.

Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen die Emissionen im Verkehr bis 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. Alle Verkehrsträger werden zu dieser Verringerung beitragen müssen. Die Verwirklichung einer nachhaltigen Mobilität bedeutet, den Nutzern Vorrang einzuräumen und ihnen erschwinglichere, besser zugängliche, gesündere und sauberere Alternativen zu ihren derzeitigen Mobilitätsgewohnheiten zu bieten.

200 innovative Mobilitätsprojekte in Hamburg

Hamburg hat sich 2016 zu einer langfristigen Strategie zur Einführung von intelligenten Transportsystemen und Services (ITS Roadmap) verpflichtet, die inzwischen bis 2030 fortgeschrieben wurde. Parallel hat sich Hamburg um die Ausrichtung des ITS-Weltkongresses für Mobilität als nationaler Vertreter der deutschen Interessen mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beworben – und in einem internationalen Wettbewerb den Zuschlag erhalten. Aktuell existieren allein in Hamburg über 200 innovative Mobilitätsprojekte, die wesentlich zu einer Aufbruchstimmung für die Präsentation der Ergebnisse zum Weltkongress im Oktober 2021 beitragen.

Das Engagement hat sich objektiv und in der nationalen und internationalen Wahrnehmung gelohnt: Dem in der ITS-Strategie erklärten Ziel, Hamburg zur Modellstadt für zukünftige, nachhaltige und integrierte Mobilität und Logistik zu entwickeln, konnte auf nationaler Ebene entsprochen werden. Hamburg hat in der Bewertung des Bitkom Smart City Index 2020 den 1. Platz belegt – insbesondere der große Vorsprung Hamburgs im Teilbereich Mobilität (96,8 Punkte, vor München mit 91,0 und Aachen mit 83,75) ist bemerkenswert.

Hamburg setzt auf intelligente Mobilitätskonzepte

Die langjährigen Vorbereitungen zum Weltkongress haben viele Prozesse und Projekte beschleunigt. Die Integration der Partner aus allen Bereichen und die Einbeziehung der Bevölkerung zum Ausprobieren, Diskutieren, Verändern und Verbessern sind der Schlüssel zum Erfolg.

Blickt man in die Entwicklungen anderer internationaler Städte wie etwa Kopenhagen, Amsterdam, Wien oder Singapur, erkennt man spezifische Profile, die mit den Städten assoziiert werden. Fahrradverkehr mit Kopenhagen, E-Mobilität und Parkraummanagement mit Amsterdam und das öffentliche Nahverkehrssystem mit Wien. Der Stadtstaat Hamburg setzt mit seinem Hafen ähnlich konsequent auf intelligente Mobilitätskonzepte, etabliert und betreibt Test- und Reallabore und erprobt attraktive Services.

Politische Unterstützung für attraktive Zukunftsgestaltung

Im Rahmen des letzten Weltkongresses 2019 in Singapur hat sich eine Delegation aus Hamburg in intensivem fachlichen Austausch vor Ort ein Bild gemacht und dabei die Erkenntnis gewonnen, dass Hamburg und Singapur vergleichbaren verantwortungsvollen Aufgaben gegenüberstehen und mit ganzheitlichen, intelligenten Lösungen die Mobilitätswende vorantreiben.

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Das liegt sicher auch an der strukturellen Infrastruktur in der Metropolregion, die adaptierte und pragmatische Lösungen erfordert – der Hafen und das Hinterland sowie die Wirtschaftsverkehre, in Kombination mit dem individuellen Verkehrsaufkommen, sind hier besondere Herausforderungen. Außerdem existiert in Hamburg, aber auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine offene und aktive politische Unterstützung, um die Gestaltung der Zukunft für die Menschen in der Region attraktiv und umweltorientiert zu begleiten.

Hamburg muss Vorsprung international ausbauen

Hamburg muss die Chance nutzen, den objektiv erarbeiteten Vorsprung zu festigen und auch international weiter auszubauen. Das klare Bekenntnis zur Mobilitätswende und die weltoffene Einstellung, andere Städte, aber auch Unternehmen dazu einzuladen, Erfahrungen auszutauschen, sorgen für eine weiter wachsende Aufmerksamkeit.

Ziel muss es sein, gemeinsame Lösungen zu finden, damit nicht jede Stadt ihren eigenen Weg erproben muss. Die Zeit dafür reicht nicht aus, um die notwendigen und festgelegten Klimaziele in Deutschland und weltweit zu erreichen.

ITS-Weltkongress: Bevölkerung in der Verantwortung

Der damit verbundene wirtschaftliche Aspekt ist nicht zu vernachlässigen – Hamburg sollte sich daher als Referenzpunkt und Labor für nachhaltige und digitale urbane Mobilität entwickeln und bewusst das „Tor zur Welt“ aktiv öffnen: Ideen und Ergebnisse teilen und anderen Städten und Regionen bei Bedarf mit Erfahrungen und innovativen Lösungen aus der Praxis helfen.

Der ITS-Weltkongress im Oktober bietet die Möglichkeit, die Bevölkerung in die Mobilitätswende mitzunehmen. Jede Gesellschaft braucht Mobilität, und in Hamburg kann jeder durch zahlreiche Angebote während des Kongresses Praxiserfahrung mit neuen Anwendungen und Angeboten sammeln. Politik und Verwaltung müssen initiieren – die Bevölkerung ist aber mit in der Verantwortung. Zusehen und abwarten reicht nicht. Mitmachen und konstruktive Kritik im Sinne des gelebten Klimawandels für alle ist guter hanseatischer Bürgersinn und birgt die Chance für die nächsten Jahrzehnte und Generationen. https://itsworldcongress.com

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