Meinung
Glosse

Karlsson über dem Dach

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Vanessa Seifert
Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Abendblatt-Autorin Vanessa Seifert

Foto: Andreas Laible

Wie ein Mann mit einem Propeller die Schweden überrascht – und warum wir uns eine echte Ronja Räubertochter wünschen.

Wer ist uns denn da aufs Dach gestiegen?, fragen sich die Bürger von Bergkvara seit einiger Zeit. Da das Städtchen in Schweden verortet ist, liegt die Antwort auf der Hand – also auf dem Dach: Karlsson! Denn der Mann, der dort regelmäßig mit einem Propeller auf dem Rücken über den Dingen schwebt, heißt tatsächlich wie Astrid Lindgrens bekannte Kinderbuchfigur, die in der Erzählung allerdings auf einem Haus in Stockholm angesiedelt ist.

An die Vergleiche mit Lindgrens Original hat sich das lebende Original gewöhnt: „Damit muss ich wohl leben“, sagte er kürzlich im schwedischen Fernsehen. Ich würde sagen: Lieber Flügel auf dem Rücken als eine Suppenschüssel über dem Kopf, um mal an diesen anderen Lindgren-Liebling aus Lönneberga zu erinnern ...

Karlsson – der echte Karlsson

Anders als die fiktive Figur hat der echte Karlsson (Karlsson. Dennis Karlsson!) übrigens die Lizenz zum Überflieger. Denn um mit einem selbst gebauten sogenannten Paramotor abheben und fliegen zu dürfen, benötigt man in Schweden neben Fantasie vor allem eine Ausbildung und eine Genehmigung. Doch wenn Dennis Karlsson auch der Himmel über den schwedischen Weiten zu eng wird, dann entflieht er (fürs Entfliegen ist der Weg wohl zu lang) nach Thailand, wo er die meiste Zeit des Jahres verbringt.

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Eine nette Geschichte, fast so schön wie die Erzählungen der legendären Astrid Lindgren. Noch wunderbarer wäre es aber, tauchte ein Mädchen auf, das so stark und unbesiegbar wäre wie Pippi Langstrumpf. Und so mutig wie Ronja Räubertochter. Dann bekäme es nämlich bestimmt selbst Corona mit der Angst zu tun und würde verschwinden. Ganz ohne Propeller.

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